Doha – Am Sonntagmorgen in Doha erweckte Franck Ribery den Eindruck, als sei nichts geschehen. Auf dem Weg zum Trainingsplatz in der Aspire Academy ging er Arm in Arm mit Rafinha, aus seinem Handy ertönte dabei Musik. Nur wenig später wurde dann allerdings deutlich, dass doch etwas geschehen war. Für Ribery hat der Verzehr eines mit 24 Karat Blattgold überzogenen Steaks (Preis: 1200 Euro) einen bitteren Nachgeschmack. Denn: Nachdem der Franzose deswegen vor allem in den sozialen Medien überwiegend von seinen Landsleuten angegriffen wurde, beleidigte er seine Kritiker in derbster Art und Weise, schrieb auf der Foto-Plattform „Instagram“ unter anderem: „F…. eure Mütter, eure Großmütter und auch euren Stammbaum.“ So zerstört Ribery sein rotes Denkmal!
Der FC Bayern reagierte gestern auf den Wutanfall des Franzosen – mit einer sehr hohen Geldstrafe. „Er hat Worte benutzt, die wir als FC Bayern nicht akzeptieren können und die Franck als Vorbild und Spieler des FC Bayern nicht benutzen darf“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.
Aber von Anfang an: Wenige Tage vor Start des Trainingslagers in Katar machte Ribery mit seiner Familie in Dubai Urlaub. Eines Abends ging er ins Steak-Restaurant „Nusr-Et“ von Promi-Koch Nusret Gökce. Dort wurde der Münchner, wie er intern beteuert, auf ein mit Blattgold überzogenes Tomahawk-Steak eingeladen. Es wurde ein Video gemacht, wie Ribery das Steak im typischen Nusret-Style salzt und es ihm anschließend serviert wird. Das Video postete der 35-Jährige anschließend auf seinem „Instagram“-Account. Der Shitstorm gegen Ribery und dessen Familie ließ nicht lange auf sich warten.
Am Freitag legte Ehefrau Wahiba dann vor: „Wir sind erfreut zu sehen, dass ihr uns bis in die Küche verfolgt. Ich bin kurz vorm Erbrechen. Armes Frankreich, dass es so viele Idioten und A… gibt!“ Ribery kündigte an: „Ooooh, ich muss wohl ein paar Mütter beleidigen. Bis morgen, gute Nacht!“ Zudem keilte er gegen die Medien, die über seinen von ihm selbst veröffentlichten Restaurant-Besuch berichtet hatten. „Oh ja, für diese Sorte von Belanglosigkeiten seid ihr zur Stelle“, schrieb er in einem weiteren Post, er klagte über „Pseudojournalisten, die immer nur negativ über mich und meine Taten berichtet haben“.
Einen Tag später rastete Ribery komplett aus: Er richtete sich an all „die Neider, die bestimmt durch ein gerissenes Kondom auf die Welt gekommen sind: Ich schulde euch nichts, meinen Erfolg verdanke ich vor allem Gott, mir und meinen Nächsten, die an mich geglaubt haben. Für die anderen, ihr seid nicht mehr als Kieselsteine unter meinen Socken.“
Gestern äußerte sich Salihamidzic nach der Vormittags-Einheit – und zeigte zu Beginn noch Verständnis: „Franck wurde aufs Übelste beschimpft, beleidigt. Aber nicht nur Franck, sondern auch seine hochschwangere Frau, sein Kind, seine Mama, die im Krankenhaus operiert wurde. Daraufhin hat sich Franck vor seine Familie gestellt, hat sich gewehrt. Dazu hat er auch jedes Recht. Da unterstütze ich den Spieler auch.“ Dann wurde „Brazzo“ aber deutlich: „Leider ist es ihm in einem Punkt total entgleist. Ich habe lange mit ihm gesprochen und ihm mitgeteilt, dass er eine hohe Geldstrafe bekommen wird. Und die hat er auch akzeptiert.“
Mit einer Suspendierung muss Ribéry nach seinem nächsten Skandal-Tiepfunkt also nicht rechnen – obwohl einige Fans das fordern. Salihamidzic lässt ihn nicht ungestraft davonkommen. Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge haben sich bei dieser Entscheidung angeblich komplett rausgehalten. Vize-Kapitän Thomas Müller äußerte sich gestern eher zurückhaltend auf die Thematik: „Wenn Franck sich angegriffen fühlt, reagiert er auch mit Mitteln, die auf andere überzogen wirken. Er sieht das selbst dann anders.“