Gold hat als Nahrungsmittel bislang noch nicht für allzu viel Furore gesorgt. Vielmehr dürften hierzulande bislang starke Zweifel an der Essbarkeit des Edelmetalls vorgeherrscht haben. So gesehen hat Franck Ribery mit seinem in Dubai verzehrten 24-Karat-Blattgold-Steak das kulinarische Allgemeinwissen erheblich bereichert. Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass es sich dabei weniger um einen Leckerbissen handelt, sondern mehr um kostspielige Dekoration. Blattgold ist nämlich geschmacklos. Wie so manches in dieser für den FC Bayern überaus peinlichen Affäre.
Sicher, der 1200 Euro teure Gaumenschmaus ist Riberys Privatsache. Im Vergleich zu seinem Teamgefährten Kingsley Coman, der kürzlich seine 600-PS-Luxuskarosse zu Schrott fuhr, hebt er sich da noch relativ positiv ab. Denn Comans Raserei war gemeingefährlich. Dass sich Ribery aber in der Diskussion ums Dubaier Gold-Steak in der untersten Schublade der Gossensprache bediente, ist absolut inakzeptabel. Und bringt seinen Verein, der sich gerne mit moralischen Ambitionen schmückt, in arge Verlegenheit.
Schließlich ist unbestreitbar, dass Ribery mit widerwärtigen Schmähungen seine Vorbildfunktion auf eklatante Art ignoriert hat. Erinnert sei an die Worte von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der bei der legendären Münchner Pressekonferenz die Einhaltung hehrer Werte anmahnte: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das sollte natürlich auch für Ribery gelten.
Sicher, die Bayern haben sich von den Entgleisungen bereits distanziert. Auch sprach der Verein eine nicht näher bezifferte „hohe Geldstrafe“ aus. Doch ist das wirklich eine spürbare Strafe für einen Fußball-Profi, der ein Jahresgehalt in zweistelliger Millionenhöhe bezieht? Ganz gewiss nicht. Die Bayern machen es sich mit dieser rücksichtsvollen Maßregelung viel zu einfach. Zumal es sich beim hitzköpfigen Franck ja um einen Wiederholungstäter handelt. Lang ist seine Liste an Verfehlungen; erst vor kurzem ohrfeigte er einen französischen TV-Experten. Das Maß ist übervoll.
Der FC Bayern sollte sich also Riberys Sanktionierung noch einmal ganz genau überlegen. Denkbar wären z. B. eine öffentliche Entschuldigung plus vorübergehende Spielsperre. Eines muss den Münchnern jedenfalls klar sein: Bei der Behandlung des Falls Ribery steht auch die Glaubwürdigkeit des Clubs auf dem Spiel. Und die ist den Vereinsgewaltigen angeblich ja so enorm wichtig.
Armin.Gibis@ovb.net