Williams’ filigraner Kraftakt

von Redaktion

Der US-Basketballer rettet die Bayern beim 101:95-Overtime-Sieg gegen Bayreuth

München – Als ihm nur drei bis vier Schritte zum Korb fehlten, prellte sich Derrick Williams den Ball auf die eigene Fußspitze. Er musste abbremsen und den Ball wieder einfangen, die Fans in der Halle raunten, sie hatten sich schon darauf gefreut, dass Williams, der superathletische Basketballer des FC Bayern, den Ball durch den Ring dunkt. Immer wieder leisteten sich Williams und seine Mitspieler am Sonntag kleine Unaufmerksamkeiten dieser Art. Nur hält sie in der Bundesliga nicht mal das auf. Als Williams den Ball wieder aufgehoben hatte, lehnte er sich gegen den Bayreuther Andreas Seiferth, drehte sich flott um die eigene Achse und warf den Ball im Nachhintenfallen ins Netz – obwohl Seiferth ihn noch foulte. Die Fans freuten sich wieder. Und da wussten sie noch nicht, dass Williams ihnen später sogar den Sieg retten würde.

In der Bundesliga sind die Bayern in diesen Tagen trotz der Euroleague-Belastung (am Donnerstagabend spielten sie erst in Istanbul) nicht aufzuhalten. Im ersten Ligaspiel des Jahres benötigten sie aber erstmals die Verlängerung. In den fünf Extraminuten besiegten sie am Sonntag Medi Bayreuth 101:95 (84:84, 47:40). Es war der 14. Bayern-Sieg im 14. Spiel, der einmal mehr die Erkenntnis lieferte: in der Liga kann sich der Meister gerade auch kleinere Unaufmerksamkeiten leisten.

Es ist schon erstaunlich, wie die Bayern ihre Ligarivalen in Schach halten. Als ob ein großer Bruder gegen seinen kleinen auf der Straße Basketball spielt und ihn mal eben mit seinem Körper wegdrängelt, wenn’s ernst wird. Der Tabellenfünfte Bayreuth etwa hatte zuvor sechs von sieben Ligaspielen gewonnen, 40 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit führten er sogar in München (5828 Zuschauer). Doch dann schubsten die Bayern zurück.

Nun kann man die Willensstärke der Münchner hervorheben, die wieder ohne Spielmacher Stefan Jovic auskommen mussten. Man kann aber auch die Bayreuther loben, die aus ihren Möglichkeiten viel herausholen und den Meister fast ohne ihren verletzten Topscorer Hassan Martin bezwungen hätten. Doch als sie in den finalen Sekunden versuchten, ihren knappen Vorsprung über die Zeit zu retten, gaben die Bayern einfach Derrick Williams den Ball – und ihr Forward aus den USA sammelte mit Körpereinsatz und Gefühl in den Fingern die letzten sechs Punkte für sein Team ein (insgesamt: 27) und ermöglichte so die Verlängerung.

Da fehlten dann auch den Bayreuthern die Mittel. „Er ist sehr schwach ins Spiel gestartet“, sagte Bayreuths Trainer Raoul Korner über den NBA-erprobten Williams. „Aber er war in der entscheidenden Phase da – und das macht einen Top-Spieler aus.“ CHRISTOPHER MELTZER

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