München – Es ist schon viel gerätselt worden über die Gesundheit von Laura Dahlmeier. Einerseits ist die Parade-Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen in der Lage, in der Loipe fulminante Kräfte zu entwickeln und sich bis zur totalen Erschöpfung zu verausgaben. Auf der anderen Seite scheint das Immunsystem dieses so leistungsfähigen Körpers ungefähr so stabil zu sein wie ein Strohhalm im Wind. Nach langer Krankheitspause hatte die 25-Jährige erst kurz vor Weihnachten ihr Saison-Debüt geben können. Die Freude über Platz 2 und 5 in Nove Mesto war jedoch nur kurz. Zwischen den Jahren fing sie sich eine erneute Erkältung ein. Inzwischen ist die Doppel-Olympiasiegerin zwar wieder ins Training eingestiegen, aber auf einen Start beim morgen beginnenden Weltcup in Oberhof musste sie verzichten. „Diese Saison ist bisher alles andere als ideal verlaufen“, sagte gestern ihr Heimtrainer Bernhard Kröll.
Laura Dahlmeier meldete sich unterdessen auf Facebook: „Weniger ist manchmal mehr“, begründete sie ihre Wettkampfpause. „Zusammen mit meinen Trainern habe ich mich entschieden, den Heim-Weltcup in Oberhof auszulassen und noch einen Trainingsblock einzuschieben.“ Noch ist nicht ganz sicher, ob Dahlmeier rechtzeitig für die Weltcuprennen in Ruhpolding (15. bis 20. Januar) fit ist. „Garantieren kann man bei Laura in diesem Winter gar nichts“, räumte auch Stefan Schwarzbach, Sprecher des Deutschen Ski-Verbands (DSV), ein. Bisher – so verlautet aus Biathlon-Kreisen – schaut es aber stark danach aus, dass die siebenfache Weltmeisterin beim Weltcup in der Chiemgau Arena mit von der Partie sein wird.
Grundsätzlich, so meint Heimtrainer Kröll, „muss man sich Gedanken machen, worauf man in den kommenden Wochen die Priorität setzt“. Der Coach spielt dabei auf den Trainingsrückstand seiner Athletin an. Im Hinblick auf die Biathlon-WM in Östersund (7. bis 17. März) glaubt er zwar, „dass Laura das schon noch hinkriegen kann. Das Gute ist, dass wir bis dahin noch ein bisschen Zeit haben.“ Aber es sei wohl sinnvoll, bis zu den Titelkämpfen in Schweden noch weitere Rennen aus dem persönlichen Programm zu streichen.
Kröll gab dabei auch zu bedenken, dass Dahlmeier bei ihrem verspäteten Saisoneinstieg am 21. Dezember in Nove Mesto er zwar als Zweite sogleich aufs Podest schaffte – „die Spitzenleistung hat aber sogleich einen Rückschlag ausgelöst“. Florian Steirer, Disziplin-Trainer der deutschen Biathletinnen, meinte: „Wir waren in Nove Mesto positiv überrascht, auf was für einem hohen Leistungsniveau sich Laura nach ihrer gesundheitsbedingten Wettkampfpause präsentiert hat.“ Das zeige einmal mehr, was für „eine absolute Ausnahmeathletin“ sie sei. „Aber das bedeutet nicht, dass wir nach einer so schwierigen Phase jede Woche Höchstleistungen und Wunder erwarten dürfen.“ Für Schwarzbach stellt sich Dahlmeiers aktuelle Geduldsprobe so dar: „Laura ist ein Rennpferd und möchte auf die Strecke – aber sie hat gelernt, auf ihren Körper zu hören.“
Doch damit hat die Sportlerin nicht verhindern können, dass sie Jahr für Jahr mit Infekten zu kämpfen hat. „Ich bin kein Mediziner und kann nur spekulieren“, sagte Heimtrainer Kröll, „ aber vielleicht sollte Laura einmal einen richtig langen Cut machen, damit sich der Körper komplett erholen kann.“