Das Turnier seines Lebens

von Redaktion

Uwe Gensheimer, dem besten Linksaußen der Welt, fehlt mit dem Nationalteam noch ein Titel

München – Vor dem Turnier seines Lebens hat Uwe Gensheimer noch eine kleine Botschaft versendet. Auf Instagram hat er ein Foto hochgeladen, das ihn von hinten zeigt, den Arm um Patrick Groetzki gelegt, seinen Gefährten, der mit ihm schon sehr oft für die Handballnationalmannschaft gespielt hat. Er hat dem Foto noch einen kurzen Kommentar hinzugefügt: „Gemeinsam sind wir stark!“ Gensheimer, der Kapitän, versucht gerade, alle einzuschwören: Groetzki, die anderen Spieler, die Trainer und natürlich sich selbst. Morgen beginnt die Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark – und Gensheimer rennt langsam die Zeit davon.

Es gibt sehr viele Geschichten, die es sich vor dieser WM aufzuschreiben lohnt. Man kann erzählen von dem Wintermärchen 2007, als Deutschland für ein paar Tage dem Handball verfiel oder von dem Bundestrainer Christian Prokop, dem nach der letzten EM viele misstrauen. Am aufwühlendsten aber ist die Geschichte des Mannheimers Uwe Gensheimer, 32, den viele für den besten Linksaußen der Welt halten, der aber immer noch auf einen Titel mit der Nationalmannschaft, auf sein Turnier.

Als die deutschen Handballer in diesem Jahrhundert ihre zwei großen Siege errungen haben, saß Gensheimer nur in der Halle und sah zu. 2007, beim WM-Sieg, als nicht-nominiertes Toptalent direkt hinter dem Tor, 2016, beim EM-Sieg, als Kapitän verletzt auf der Tribüne. Als Gensheimer im vergangenen Jahr bereit war, scheiterten die Deutschen schon in der Hauptrunde. „Ich habe es damals nicht geschafft, auf dem höchsten Level wie zuvor im Verein zu spielen“, hat er gerade erst gesagt – und dann noch schnell hinzugefügt: „Aber ich bin optimistisch, dass das nicht noch einmal passieren wird.“

Nun zweifelt keiner daran, dass Gensheimer jene Mannschaft tragen kann, für die er 2005 zum ersten Mal spielte. Der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar nennt ihn „den besten Linksaußen seiner Generation“ – und man musste zuletzt nur nach Frankreich blicken, um sich davon zu überzeugen. Seit zweieinhalb Jahren spielt er für Paris Saint-Germain, eine Auswahl der besten Handballer der Welt, der er als einziger Deutscher angehört. Gensheimer wirft den Ball sehr trickreich, seine Siebenmeter verwandelt er sicher. In der Champions League hat er 2017 und 2018 die meisten Tore geworfen – doch es passt zu seiner Geschichte, dass er sie trotzdem nicht gewonnen hat.

Jetzt führt die deutsche Nationalmannschaft ein Kapitän an, der sich laut seinem Trainer verändert hat. „Uwe hat speziell nach dem letzten Turnier sehr viel reflektiert“, sagte Christian Prokop. Gensheimer selbst sagte: „Wir haben in der Vergangenheit leider den Fehler gemacht, zu weit hinauszuschauen.“ Er will diesen Fehler bei der WM nicht wiederholen – denn zu viele Chancen auf sein Turnier bleiben Uwe Gensheimer nicht mehr. CHRISTOPHER MELTZER

Artikel 1 von 11