Ein Wunderkind wie Mbappé

von Redaktion

Alphonso Davies hat einen harten Weg hinter sich – nun will er beim FC Bayern durchstarten

VON MANUEL BONKE

Doha – Lange mussten die Münchner auf ihn warten, seit einiger Zeit trainiert er schon – und gestern sprach er auch ganz offiziell zum ersten Mal als Spieler des FC Bayern. Die Rede ist von Alphonso Davies, dem gerade einmal 18 Jahre alten Kanada-Juwel, das seit 1. Januar 2019 offiziell spielberechtigt ist.

„Für mich ist es eine große Ehre, für diesen großen Verein zu spielen und mit den Spielern auf dem Platz zu stehen“, schwärmte Davies. Noch mehr ins Schwärmen geriet „Phonzy“ aber, als er nach seinen Vorbildern gefragt wurde. „Im Training orientiere ich mich beispielsweise an Thiago, er ist ein Vorbild. Er inspiriert mich, ist ein Weltklasse-Profi. Wie er den Ball kontrolliert, dribbelt. Er lässt das Spiel einfach aussehen. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen“, sagte Kanadas Fußballer des Jahres über seinen neuen Kollegen. Früher habe er immer Videos von Thiago und dessen Bruder Rafinha geschaut, als beide bei Barcelona spielten. Künftig wird Davies also neben seinem Idol Thiago auf dem Platz stehen.

Der Weg dorthin war hart. Seine aus Liberia stammenden Eltern flohen vor dem dortigen Bürgerkrieg, Davies kam 2000 in einem Flüchtlingslager in Ghana zur Welt. Die Zeit dort war geprägt von Gewalt. „Wenn wir Essen besorgen wollten, mussten wir über Leichen steigen“, berichtete seine Mutter Victoria einmal. Die Rettung war die Übersiedlung nach Kanada, als Alphonso fünf war. Mit 16 gab er dort als jüngster Spieler der Geschichte sein Debüt in der kanadischen Nationalmannschaft. Wenn Davies an seinen Werdegang denke und daran, dass er jetzt Spieler des großen FC Bayern ist, treibe ihm das Tränen in die Augen, berichtete er gestern. Seine Eltern wohnen nach wie vor in Kanada, wollen ihn aber regelmäßig in München besuchen.

Sportlich schlägt Davies ruhige Töne an: „Ich will mein Bestes in jedem Training geben und wenn ich die Chance bekomme, hoffe ich, sie auch nutzen zu können. Wenn meine Zeit kommt, bin ich hoffentlich bereit. Dann versuche ich, jede Partie zu spielen, als wäre es meine letzte.“

Wenn es nach seinem Entdecker Craig Dalrymple, Technischer Direktor der Whitecaps-Jugendakademie, geht, ist es nur eine Frage der kurzen Zeit, wann Davies die Außenlinien der Bundesliga entlang dribbelt. Denn Dalrymple vergleicht seinen früheren Schützling „aufgrund der Power und der Geschwindigkeit“ mit Frankreichs Wunderkind Kylian Mbappé. Kein Wunder, dass nicht nur der deutsche Rekordmeister, sondern auch viele andere Top-Clubs hinter Davies her waren. Doch der Kanadier entschied sich für die Roten: „Mir gefällt, wie hier Fußball gespielt wird, wie man den Ball auf dem Platz bewegt. Das ist sehr auffällig. Ich habe es mir gut vorstellen können, selbst ein Teil dieser Spielweise zu werden.“ Sportchef Hasan Salihamidzic: „Er ist ein super Junge und Riesentalent mit Speed, Power und Technik. Wir versprechen uns viel von ihm.“

In den Einheiten in Doha wirkt „Phonzy“ auf dem Platz noch zurückhaltend, spielt lieber den sicheren Pass nach hinten statt einen Ballverlust im Eins-gegen-Eins zu riskieren. Ein Lied zum Einstand hat Davies noch nicht vor der Mannschaft singen müssen. Wenn es soweit ist, wird er als bekennender Hiphop-Fan dann harte Töne anschlagen. In der Kabine gab es bereits einen Vorgeschmack auf seine Lieblingsmusik.

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