Eine Vorrunde als Bewerbung

von Redaktion

München darf sich wieder am Spitzenhandball versuchen – die nächste Chance könnte folgen

VON PATRICK REICHELT

München – Immerhin über Langeweile musste sich Dominik Klein nach seinem Karriereende im vergangenen Frühjahr nicht beklagen. Der Weltmeister von 2007 tourte laufend durch seine neue Heimat München. Bei den Eishockey-Cracks des EHC Red Bull schaute er dabei genauso vorbei wie bei den Basketballern des FC Bayern. Wie es ein echter Botschafter eben tut. Kleins Mission: Werbung machen für die Handball-WM, die von Freitag an für eine Woche auch in München gastiert.

Vor allem in den klassischen Handball-Hochburgen im Norden der Republik hat man ihn um diese Aufgabe nicht beneidet. Mancherorts hatte sie offenes Naserümpfen hervorgerufen, die Entscheidung des Deutschen Handball Bundes (DHB), auch München in den Kreis der Spielorte aufzunehmen. DHB-Chef Andreas Michelmann interessierte das wenig. „Wir haben uns mit Berlin, Hamburg, Köln und München für die vier größten deutschen Städte entschieden.“ Aber der Vertrauensvorschuss zahlte sich ja auch im Falle der vermeintlichen Diaspora München aus. Schon im Herbst konnte Olympiapark-Chefin Marion Schöne vermelden: „Wir können auch Handball!“

Knapp 75 000 Tickets hatte man für die Vorrundengruppe B seinerzeit abgesetzt. Inzwischen hat man längst den sechsstelligen Bereich erreicht. Gleich drei der fünf Spieltage sind bereits ausverkauft nur am Montag und Mittwoch sind noch Karten zu haben. Dabei hat den Machern sicher auch die Auslosung in die Karten gespielt. Die deutsche Mannschaft ist zwar im weit entfernten Berlin aktiv. Und doch kann sich das Münchner Feld sehen lassen. So tritt neben Europameister Spanien nicht zuletzt auch Kroatien unter dem Zeltdach an. Schöner Zufall: Gut 44 000 Kroaten haben in München ihre Heimat. Das Mittelmeerland stellt neben der Türkei die zweitgrößte Volksgruppe in der Landeshauptstadt. Leicht zu erraten, dass dieser Umstand für den Ticketabsatz nicht eben hinderlich war – die fünf Spieltage in der Olympiahalle dürften auch kroatische Volksfeste werden. Wenn nicht die reiselustigen Isländer Konkurrenz machen. Aus dem traditionellen Handball-Land haben sich an einzelnen Spieltagen mehr 1000 Isländer angekündigt.

Was übrigens durchaus auch die deutsche Mannschaft zu spüren bekommen könnte. Denn die besten drei Teams der Gruppe, die von Mazedonien, Bahrain und den, von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson trainierten Japanern komplettiert wird, sind in der Zwischenrunde in Köln die potenziellen Gegner der DHB-Auswahl im Rennen um die Tickets für das Halbfinale.

Das findet am 25. Januar in Hamburg statt. Zu einem Zeitpunkt, an dem sich München schon längst wieder vom Spitzenhandball verabschiedet haben wird. Doch wenn alles gut läuft, könnte das nächste Kapitel schon wieder in Sicht sein. Der Deutsche Handball Bund hat bekanntlich den Zuschlag für die Europameisterschaft 2024 erhalten. Die Spielorte sind außer dem Düsseldorfer Fußballstadion noch nicht entschieden. Doch München ist neben Berlin, Hamburg, Köln, Hannover und Mannheim noch im Topf der Bewerber. Ein guter Verlauf der nächsten WM-Tage könnte die Karten deutlich verbessern.

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