Finnischer Fußballer

Herr Riski sagt Nein zu Katar

von Redaktion

MARC BEYER

Jenseits von Skandinavien konnten bis gestern nur intime Fußballkenner mit dem Namen Riku Riski etwas anfangen, aber das bedeutet keine Bildungslücke. In knapp einem Jahrzehnt als Profi hat er einfach noch keine großen Akzente gesetzt. Riski kam viel herum, von Turku bis Göteborg, von Örebro bis Hönefoss, dazwischen gab es Abstecher nach Lodz und Dundee. Aktuell steht er bei HJK Helsinki unter Vertrag, aber auch das würde ihn unter normalen Umständen nicht in die Schlagzeilen hieven. Wenn da nicht seine Haltung zu Katar wäre.

Gestern hat Riku Riski die Teilnahme an einem Trainingslager der finnischen Nationalmannschaft abgesagt. Er nannte keine Verletzung als Grund und bemühte auch sonst keine Ausrede, sondern berief sich explizit auf ethische Motive. In dem Emirat, das wegen Menschenrechtsverletzungen immer wieder am Pranger steht, zu trainieren, lasse sich nicht mit seinen Werten vereinbaren.

Die Menschen am Golf wird es erst mal wenig kümmern, wenn ein Herr Riski aus Finnland ihr Land nicht besuchen will und sich auch von den wunderbaren Trainingsbedingungen nicht locken lässt, die die Bosse des FC Bayern immer als Argument heranziehen. Eine Petitesse ist die Absage trotzdem nicht.

Auch in den hinteren Reihen des Weltfußballs braucht es einigen Mut und ein ausgeprägtes moralisches Bewusstsein, um eine Entscheidung zu treffen, die für alle Beteiligten unbequem ist. Für den Nationaltrainer, der mit der politischen Dimension des Vorgangs offenkundig überfordert ist und sich keinen Kommentar abringen konnte. Für die Katarer, die nun hoffen werden, dass Riku Riski ein anonymer Einzelfall bleibt. Vor allem aber für den Spieler selbst.

Das Camp in Doha soll gerade für Spieler aus der zweiten Reihe eine Chance sein, sich zu empfehlen. Männer wie ihn, die in keiner der größeren Ligen aktiv sind. Sein persönlicher Einsatz ist also hoch. Umso bemerkenswerter ist das Signal aus dem Norden.

Die Katar-Frage spiegelt die ganze Scheinheiligkeit des Profifußballs wieder. Gerade die Bayern geben keine sehr vorteilhafte Figur ab. Einerseits lehnen sie Investorenclubs wie Paris St. Germain ab – andererseits schöpfen sie gierig aus der selben Quelle. Einerseits verstehen sie sich als moralische Instanz, selbst der Verweis auf Grundgesetz und Menschenwürde ist ihnen nicht zu hanebüchen. Andererseits trainieren sie ausgerechnet in einem Land, das sich nur deshalb nicht ständig für seine Haltung zur Korruption im Spitzenfußball rechtfertigen muss, weil die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Migranten und das generelle Verhältnis zur Demokratie noch größere Themen sind.

Morgen tritt der Rekordmeister die Heimreise an. Bisher war er mit den Bedingungen in Katar rundum zufrieden, es spricht also nichts gegen eine Neuauflage 2020. Riku Riski wird dann längst vergessen sein. Das Thema Katar mit allen Facetten aber wird die Bayern weiter begleiten.

marc.beyer@ovb.net

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