Red Bull Zero

von Redaktion

Die Firmenteams aus München und Salzburg mit einer Nullnummer in der CHL

VON GÜNTER KLEIN

München – Warum geht man zum Eishockey? Wegen der Tore (mehr als beim Fußball), wegen des krachenden Körperspiels. Davon gab es am Dienstagabend im Halbfinal-Hinspiel der Champions Hockey League nichts bis sehr wenig. Es war ein schnelles Spiel, das schon, auch was für Taktik-Nerds, doch das Ergebnis las sich ein wenig peinlich. 0:0 zwischen EHC Red Bull München und EC Red Bull Salzburg. Als wollten sie für ein spezielles Produkt aus der Firmenpalette werben: den Zero-Drink. Normal wird bei einem 0:0 verlängert, im Hin- und Rückspielmodus zunächst aber nicht.

Über dem Spiel stand ja vor allem die eine große Frage, und sie war drängender als die nach dem Resultat: Wie würden zwei Mannschaften miteinander umgehen, die denselben Besitzer (Didi Mateschitz), identische Geschäftsführer (Rudolf Theierl, Rene Dimter) und einen kaum unterscheidbaren Markenauftritt haben? Ist so ein Spiel durch die Verwandtschaft brisant – oder uninteressant?

Nun, die Münchner Eishalle war voll, alle 6142 Karten verkauft, das Etikett Champions League-Halbfinale beeindruckte stärker als die Bedenken aufgrund der Red-Bull-Konstellation. In der vorletzten Minute des ersten Drittels wurden auch tatsächlich mal ein paar Fäuste ausgetauscht (kurz vor Ablauf der kompletten Spielzeit folgten einige Ringer-Scharmützel). und in der 17. Minute hatte Münchens Trainer Don Jackson auch gezetert: An einer Schlittschuhkufe von Salzburgs Torwart Steve Michalek war was kaputtgegangen, die Vor-Ort-Reparatur auf dem Eis zog sich Minuten hin, was nicht unpraktisch war für die Österreicher, da sie gerade einen Mann auf der Strafbank hatten und so durchschnaufen konnten. Die EHC-Reklamation brachte Erfolg: Der Kundendienst an der Kufe musste außerhalb der Eisfläche fortgeführt werden, für knapp drei Spielminuten übernahm Ersatzgoalie Lukas Herzog den Job im Salzburger Tor.

Salzburg überraschte. Zwar hatte man in München die starken Playoffs des EC wahrgenommen, der im Viertelfinale das finnische Team Kärpät Oulu entnervte, doch in ihrer heimischen Liga, der EBEL, ist er derzeit nur Mittelklasse. Das Augenmerk hat Greg Poss, der auch in Deutschland bestens bekannte amerikanische Coach Salzburgs (Iserlohn, Nürnberg, Mannheim, 2004/05 Bundestrainer), auf die internationale Performance gelegt. „Ich glaube, sie kopieren diese Saison unser Penalty Killing“, befand vor einigen Wochen Don Jackson, auf den Mutter-, Bruder- oder Schwesterverein angesprochen.

Was Salzburg von München auch übernommen hat: die Methode des frühen Angreifens; es war bemerkenswert, welchen Druck der EC ausübte und in welchem Tempo er die Sache anging. Der EHC München, in der DEL meist in der Rolle, seine Spiele dank seiner personellen Möglichkeiten zu dominieren, hatte nach zwei Dritteln lediglich 14 Torschüsse in der Statistik stehen (der Gast indes 20). Und Torhüter Michalek, von der Liga als einer der Kandidaten für den MVP (wertvollster Spieler) nominiert, war flink auf den Beinen und flink mit den Händen. Es wurde klar: Der EHC München steht vor einem Problem.

Salzburg strahlte mehr, wirkte frischer – auch wenn München in der Schlussphase die zwingenderen Chancen hatte.

Im anderen Halbfinale siegte Göteborg 6:3 gegen Pilsen. Neun mehr als Zero.

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