Als Buffon die Lust am Fußball verlor

von Redaktion

Italiens Torwartlegende erzählt, wie er mit 25 Jahren seine Depressionen besiegte

Hamburg/Paris – Plötzlich wollte Gianluigi Buffon, Grande Gigi, die ewige Numero Uno, nicht mehr. Es war alles zuviel. Also ging er vor einem seiner 678 Serie-A-Spiele zu Torwarttrainer Ivano Bordon und sagte: „Ich habe keine Lust zu spielen.“

Buffon war damals 25 Jahre alt „und ritt auf der Welle des Erfolgs und des Ruhms“, doch was bedeutet das schon, wenn einen Panikattacken und Depressionen quälen? Er sagte nun: „Ein paar Monate lang erschien mir alles sinnlos.“

Kurz vor seinem 41. Geburtstag am 28. Januar hat Buffon mit der Vanity Fair schonungslos offen über diese dunklen Stunden seiner Karriere gesprochen. „Es war eine wirklich schwierige Zeit“, sagte der Torwart: „Es fühlte sich so an, dass andere sich nicht für mich interessieren, sondern nur für das, was ich verkörpere. Alle fragten nur nach Buffon, niemand nach Gigi.“ Doch der damalige Star von Juventus Turin fand die Kraft, mit seinen Liebsten über seine Ängste zu sprechen.

„Ich hatte die Klarheit zu verstehen, dass dieser Moment ein Scheideweg zwischen der Kapitulation und dem Umgang mit den Schwächen, die wir alle haben, war“, sagte Buffon, Weltmeister von 2006 und jetzt Schützling von Thomas Tuchel bei Paris St. Germain: „Ich hatte nie Angst, sie zu zeigen oder zu weinen – etwas, das mir passiert und wofür ich mich überhaupt nicht schäme.“ Wenn er „diese Erfahrung nicht gemacht hätte, diese Vernebelungen und Konfusionen mit anderen Menschen nicht geteilt hätte, wäre ich dort vielleicht nicht rausgekommen“, sagte Buffon.

Ihn überkam die ungewohnte Hilflosigkeit damals auch deshalb so überraschend, weil er sich selbst lange für den Größten und Stärksten hielt. Als junger Torwart habe er „ein Gefühl der Allmacht und Unbesiegbarkeit“ gehabt: „Ich fühlte mich unzerstörbar“.

Heute will der Italiener all das nicht mehr missen. Auch nicht seine Zeit als Ultra in der Gruppierung „Commando Ultra Indian Tips“. Er habe in seiner Jugend insgesamt eine „Menge dummer Dinge“ getan und auch „genossen“. In gewisser Weise „umarme ich den Wahnsinn“ nun, den er vor 20 Jahren angestellt hat.  sid

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