München – 0:0, 0:0, 0:0 lauteten die Drittelergebnisse, und weil in K.o.-Phasen-Hinspielen der Hockey Champions League ein Unentschieden akzeptiert wird, ist nach 60 Minuten auch Schluss. Verlängerung und womöglich Penaltyschießen sind erst fürs Rückspiel vorgesehen, falls dort nach der normalen Spielzeit ein Gleichstand besteht.
Der Blick voraus nach dem 0:0 im ersten Halbfinale zwischen den Red-Bull-Mannschaften aus München und Salzburg: „Noch drei Drittel, vielleicht auch mehr“, darauf stellt sich Greg Poss ein, der Trainer des EC Salzburg. „Mehr Kompaktspiel wie im Fußball“, fordert Münchens Coach Don Jackson von seiner Mannschaft am kommenden Mittwoch (20.20 Uhr) in Salzburg. Für ihn und eigentlich alle war es ungewöhnlich, „dass ein Spiel zwischen zwei hart forecheckenden Teams 0:0 ausgeht“. Frank Mauer, der in der letzten Minute die vielleicht größte Chance gehabt hätte, zum Sieg zu treffen, erwartet für die zweite CHL-Halbfinalpartie in Salzburg, „dass noch mehr Abtasten am Anfang sein wird. Noch mehr Vorsicht. Keiner will das erste Tor kassieren.“ Der Wert eines Tores ist nach diesen 60 arbeitsintensiven Minuten gestiegen.
Die Münchner gaben zu, trotz guter Videovorbereitung (Jackson: „Wir wussten, was uns erwartet“) „überrascht“ gewesen zu sein vom Auftreten ihres Konzernbruders aus Salzburg. Schlau wurden sie aus dem 0:0 aber nicht. Fürs Rückspiel ist es weder Vor- noch Nachteil. „Es geht um ein Tor“, sagt Mauer. Bisher dachte er, „dass es in der Champions League besser ist, wenn man zuerst daheim spielt, um ein Statement zu setzen“. Dazu kam es nicht – allerdings ist auch nichts den Bach runtergegangen.
Jackson fand, sein Team habe irgendwann ins Spiel gefunden „und die besseren Chancen gehabt“, und dann war auch weg, was ihm bei seinen Spielern im ersten Drittel aufgefallen war: „Sie waren ein bisschen nervös.“
Die Spieler bestritten das. Yannic Seidenberg meinte: „Um nervös zu sein, bin ich zu alt. Ich hatte keine schlaflose Nacht.“ Doch natürlich ist es so, dass die Münchner Dependance von Red Bull mehr zu verlieren hat. Sie gilt als der potenziell größere Werbeträger, in München wird mehr investiert von den Etatzuwendungen her und bekommt eine neue Arena – derweil Salzburg in seinem kleinen Stadion (3200 Plätze) weiterspielen muss. Dort steigt das Rückspiel.
Die Salzburger wirkten aufgedreht, sie werteten das Remis als Erfolg, Greg Poss neigte dazu, nach dem Spiel Hof zu halten. Er will den Schwung „auch in unsere Liga mitnehmen, am Freitag gegen Wien. Enfach gut zu spielen ist die beste Vorbereitung auf München.“ Der EHC hat in der DEL ein Reisewochenende, spielt am Freitag in Krefeld, am Sonntag in Düsseldorf. Ihm fehlen neben den Langzeitfällen Jaffray und Christensen auch Verteidiger Boyle (Jackson: „Entscheidung von Tag zu Tag“) und CHL-Topscorer Mitchell, der sich am Dienstag verletzte (ein Röntgentermin wurde gleich vereinbart).
Das Rückspiel in Salzburg könnte also noch kniffliger werden als ohnehin schon. Frank Mauer glaubt, „dass Eishockey-Deutschland hinter uns steht; auch die, die uns sonst nicht so mögen, drücken uns die Daumen“. Bislang hatte der EHC seine starken Auftritte auch auswärts: Im Achtelfinale gewann er in Zug, im Viertelfinale brachte ihn ein 5:5 in Malmö weiter.
Auch darum ist Don Jackson unerschütterlich zuversichtlich. Er erinnert daran, dass man eben in Schweden und in der Gruppenphase vergangene und diese Saison in Finnland bestanden hat. In Ländern also, die „Talente für die NHL produzieren. Allein aus Finnland kamen 15 Top-Picks der NHL in den vergangenen drei Jahren.“
Seine Münchner Mannschaft besteht „zur Hälfte aus Deutschen, zur Hälfte aus Importen“. Er hält das für ene Mischung, „mit der man gewinnen kann. Das ist meine Story.“