Transferpolitik des FC Bayern

Münchner Mainstream

von Redaktion

MARC BEYER

Lange nichts mehr von Lucas Hernandez gehört. Der letzte Stand war, dass der französische Linksverteidiger von Atletico Madrid sich am 4. Januar in den Flieger Richtung Doha setzen wollte, jedenfalls meinte das ein Vertrauter der Familie so erfahren zu haben. Wenn heute die Mannschaft des FC Bayern die Rückreise aus Katar antritt, wird Hernandez nicht an Bord sein. Viel mehr als eine Fata Morgana ist er noch immer nicht.

Mit Benjamin Pavard haben sie nun immerhin einen anderen Weltmeister fest verpflichtet. Vielleicht wird Hernandez es ihm in ein paar Monaten gleichtun, vielleicht auch schon in ein paar Wochen. Dazu werden weitere Einkäufe kommen, Hudson-Odoi oder Werner, womöglich beide. Alles in allem wird es eine respektable Mannschaft sein, mit der die Bayern in die neue Saison gehen. Aber dass die Kaderplanung eine besondere Färbung hat, die sie abhebt von der internationalen Konkurrenz, das wird man am Ende nicht mehr sagen können.

In München war man immer stolz darauf, dem Erfolg auf anderen, weniger kostspieligen Wegen nachzujagen als die Großeinkäufer aus Spanien oder England. Von dieser Haltung muss man sich verabschieden. Pavard plus Hernandez plus Hudson-Odoi plus Werner plus ein, zwei weitere – das wäre eine Bilanz, die auch zum FC Arsenal oder Manchester United passen würde. Der Münchner Weg nähert sich dem Mainstream an.

Der Kraftakt, den die Bayern gerade vollziehen, hat mit internen Bedürfnissen zu tun (Ersatz für die ablösefreien Robben, Ribery, Rafinha) und dem allgemeinen Wahnsinn der Märkte. Ein bisschen ist er aber auch eigenen Versäumnissen geschuldet. So richtig phantasievoll ist es jedenfalls nicht, einfach die Besten der Bundesliga einzusammeln, in Spanien einen Weltmeister abzuwerben und ein Talent zu akquirieren, das bisher kaum spielt, aber ein Preisschild auf Stammspielerniveau hat.

Die Bayern müssen teuer dafür zahlen, dass sie, anders als etwa der Rivale in Dortmund, seit Jahren kaum eigene Stars entwickelt oder früh in Qualität investiert haben. Ein Hudson-Odoi wird, wenn er kommt, fünfmal so viel kosten wie vor anderthalb Jahren ein Sancho. Und mehr als doppelt so viel wie 2016 ein Dembélé.

Ein Käuferclub zu sein, wie es die Münchner für sich reklamieren, ist gut fürs Ego und im Zweifelsfall nicht so frustrierend wie das Schicksal des BVB, der regelmäßig seine Besten hergeben muss (wenn auch zu atemberaubenden Konditionen). Es bedeutet aber auch, dass man im Zweifelsfall ein paar Euro mehr in die Hand nimmt. Die Bayern haben sich auf ihr Festgeldkonto immer viel eingebildet. Sollten sie dem Mainstream treu bleiben, werden sie das Konto ordentlich strapazieren.

marc.beyer@ovb.net

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