Rückkehr aus der Zweitklassigkeit

von Redaktion

Martin Strobel soll das DHB-Team zur Medaille führen – ein Vorgänger traut es ihm zu

VON PATRICK REICHELT

München – Wäre alles normal gelaufen, dieser Januar wäre für Martin Strobel vermutlich weit beschaulicher ausgefallen. Der 32-Jährige hätte ein paar ruhige Tage im heimischen Balingen im Kreis seiner Familie verbracht. Doch ein Anruf von Bundestrainer Christian Prokop hat ihm da bereits im Herbst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und mittlerweile ist klar: Strobel wird bei der heute mit der Partie gegen Korea (18.15 Uhr/ZDF) beginnenden Weltmeisterschaft nicht nur dabei sein: Dem Rückraumspieler wird wohl eine echte Schlüsselrolle auf dem Weg zum möglichen ersten Titelgewinn seit zwölf Jahren zukommen. „Er könnte wie Markus Baur 2007 der rationale Leader unserer Mannschaft sein“, sagte Ex-Bundestrainer Heiner Brand.

Natürlich hat das die Frage aufgebracht: Kann das ein Mann leisten, der seine Brötchen mittlerweile in der zweiten Liga verdient? Brands Rollen-Vorbild Markus Baur hält zwar den Vergleich mit sich selbst nicht ganz angebracht. „Ich habe damals schon 13 Jahre in der Nationalmannschaft gespielt und ein gewisses Standing gehabt“, sagte er. Doch der 47-Jährige hält Strobel dennoch für eine gute Wahl.

Eine der großen Lehren der Europameisterschaft im vergangenen Jahr ist schließlich gewesen, dass dem deutschen Team ein Strippenzieher fehlte, der das Spiel führen kann. Ein Typ wie Strobel eben. „Klar muss man sehen, was passiert, wenn die Spiele auf Augenhöhe kommen, gegen Mannschaften von einer ähnlichen Qualität“, sagte er, „aber das Gute ist ja, dass Martin das nur für hoffentlich zehn Spiele und nicht für eine ganze Saison zeigen muss.“

Und es ist ja nicht so, dass der stille Badenser, der sich die Gestalterrolle mit Paul Drux und Fabian Wieder teilen wird, keine Erfahrungen auf höchster Ebene hätte. Beim überraschenden EM-Titel 2016 war Strobel ebenso noch mit von der Partie wie wenig später beim Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson hatte seinerzeit vor allem in den entscheidenden Momenten gerne auf den Ballverteiler aus Balingen gesetzt.

Dass Strobel selbst nicht der kühle Vollstrecker ist – in 140 Länderspielen brachte er es bislang auf 160 Tore – findet Baur verzeihlich. „Bei mir haben sie auch alle über meinen Wurf gelacht“, sagte der Mann, der bei der WM als Co-Kommentator für das ZDF in Erscheinung treten wird,: „Wichtig ist, dass die entscheidenden irgendwie reintrudeln.“ Bei ihm selbst war das gerade bei der WM 2007 der Fall. Unvergessen ist der Siebenmeter, mit dem er das Halbfinale gegen Frankreich kurz vor dem Ende der zweiten Verlängerung zum 32:31 entschied.

Ob es ähnliche Momente in den nächsten gut zwei Wochen wieder zu erleben gibt, wird sich laut Baur vielleicht schon in den nächsten Tagen entscheiden. „Der entscheidende Punkt ist, wie du ins Turnier hineinkommst und deine Qualitäten ausspielen kannst“, sagte er, „wenn das gut geling, dann ist alles möglich.“

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