Es ist in diesen Tagen schwer, nicht an 2007 zu denken. Zum Beispiel an die Euphorie der Macher des Deutschen Handball Bundes. Im Rausch von WM-Titel und Zuschauerrekord hatten die geschwärmt: Diese Weltmeisterschaft im eigenen Land, daran könne es keinen Zweifel geben, war ein Turnier für die Ewigkeit. Etwas mehr als ein Jahrzehnt hat diese Prognose gehalten.
Bis sich nun mit Deutschland und Dänemark gleich zwei Herzländer des Handballs zusammengetan haben, um den neuen Weltmeister zu ermitteln. Und schon vor dem ersten Anwurf deutete sich an: Dieses Turnier wird wohl alles bisher Dagewesene übertreffen. Den Zuschauerrekord von 2007 hat die WM 2019 schon jetzt geknackt. Der Deutsche Handball Bund (DHB) darf sich wohl auch auf einen wärmeren Geldregen als vor zwölf Jahren freuen. Fehlt eigentlich nur noch, dass die deutsche Mannschaft einen ähnlichen Erfolgsweg einschlägt, wie er einst Henning Fritz, Markus Baur & Co gelang. Leicht zu erraten: Dann werden diese Titelkämpfe endgültig alle Dimensionen sprengen.
Die interessante Frage wird sein: Haben die Macher des DHB auch ihre Schlüsse aus 2007 gezogen, wenn es um das Danach geht? Zur Erinnerung: Das viel zitierte Wintermärchen hatte das Land in einen Handball-Rausch versetzt. Alleine das Finale gegen Polen lockte im Schnitt 16,17 Millionen vor die Bildschirme. Eine höhere Quote wurde bei einem Handballspiel nie gemessen. Die Verantwortlichen gingen mit der sichtbaren Überzeugung aus dem Turnier, dass der Sport hierzulande mit der besten Liga und nun auch dem besten Nationalteam der Welt doch ein Selbstläufer sein muss. Und mussten prompt lernen, dass gerade weltmeisterlicher Ruhm vergänglich ist. Die tiefe Krise bis hin zur verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London und die Europameisterschaft 2014 in Dänemark war da eine nur logische Folge.
Aber nun hat man ja, was nicht viele bekommen: Der DHB hat eine zweite Chance um zu beweisen, dass er mehr Nutzen aus dem Handball-Fest im eigenen Land ziehen und vielleicht doch den Graben zum alles überstrahlenden Fußball zumindest ein bisschen kleiner machen kann. Die Voraussetzungen scheinen günstig. So wie sie es auch 2007 waren. Es ist eben schwierig, in diesen Tagen nicht an damals zu denken.
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