Als Tobias Reichmann in Florida gelandet war, schlug sein Spontanurlaub samt vielsagendem Abschiedsgruß in der Heimat erst hohe Wellen. Am vergangenen Sonntag war der Handball-Europameister von 2016 überraschend aus dem deutschen WM-Kader gestrichen worden. Und obwohl er noch immer zum erweiterten Kader gehört (dreimal darf Bundestrainer Christian Prokop seinen Kader während des Turniers verändern), reiste er nun in die USA – nicht aber, ohne eine Botschaft zu hinterlassen. „Ich bin dann mal weg. Wieso, weiß ich gar nicht genau…Ahhh, doch…Spontanurlaub“, schrieb der Rechtsaußen auf Instagram und postete ein Bild von sich am Flughafen, versehen mit dem Hashtag „sorrynotsorry“. Ein weiteres Selfie kommentierte er mit dem Spruch: „Tschausen ihr Banausen“. Es war die erste öffentliche Reaktion von Reichmann auf seine Aussortierung. Beim Deutschen Handballbund (DHB) herrschte am Donnerstag helle Aufregung. Hinter den Kulissen diskutierten sie, wie mit dem Affront umzugehen ist. Doch um die entfachte Euphorie rund um den WM-Start nicht zu gefährden, verzichteten Prokop und die Verbandsspitze zunächst auf Konsequenzen. Zumal Reichmann die einzige Alternative zu Rechtsaußen Patrick Groetzki darstellt. „Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die Spieler, die da sind. Sie haben unser vollstes Vertrauen“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Sollte Groetzki verletzungsfrei bleiben, dürfte eine Rückkehr Reichmanns ins Team ausgeschlossen sein. „Tobi wollte einmal ganz raus und abschalten. Die Enttäuschung bei ihm ist riesengroß“, sagte Hanning. Reichmann könne bei Bedarf schnell wieder beim Team sein – dann aber mit rund zwölf Stunden Flug in den Knochen.