Friedhelm Funkel ist in der Welt des Fußballs ordentlich herumgekommen, aber besonders gut passte er immer an Rhein und Ruhr. Hier, wo die Menschen hart arbeiten, aber das Leben nicht immer bierernst nehmen, hat Funkel als Spieler und Trainer viele Spuren hinterlassen. Es ist nur schlüssig, dass er im Alter von 65 Jahren sagt, Fortuna Düsseldorf sei sein letzter Verein, danach komme die Rente. Unwürdig ist hingegen der Umgang mit ihm.
Letztlich wird es wohl so kommen, dass Funkel noch einmal einen neuen Vertrag bekommt, auch wenn der vielleicht nur für die erste Liga gilt, was in diesem Verein ein einschneidendes Kriterium ist. Das wäre bis Ende vergangener Woche eine Selbstverständlichkeit gewesen, markiert nun aber eine veritable Kehrtwende. Denn eigentlich hätte Fortunas Boss Robert Schäfer auf Funkel gut verzichten können. Warum auch immer.
Trainerwechsel sind im Fußball Alltag, aber gerade bei kleineren Clubs gibt es ein Muster. Am erfolgreichsten sind die Hinterbänkler, wenn dort jemand das Sagen hat, der auch menschlich eine ganz spezielle Beziehung zum Umfeld hat. Einer, für den der Verein mehr ist als ein Arbeitgeber, im besten Fall ein Biotop, in dem er mit seinen persönlichen Eigenschaften aufblühen kann. Jürgen Klopp und Mainz 05 waren so eine Kombination, Otto Rehhagel und Werder Bremen, Rehhagel und Kaiserslautern, Volker Finke und Freiburg. Das aktuellste Beispiel ist Christian Streich. Am Wochenende hat er seinen Vertrag in Freiburg verlängert.
In diese Kategorie gehört auch Friedhelm Funkel. Mehr, als er in den vergangenen drei Jahren aus der Fortuna gemacht hat, kann kein Trainer erreichen. Aus einem Kader, der kaum Zweitligareife besaß, hat er eine Mannschaft geformt, die in der Bundesliga zu den angenehmsten Überraschungen zählt, dem BVB seine einzige Niederlage zufügte und beim FC Bayern punktete. So einen Mann in Frage zu stellen, ist in diesem emotional nicht unkomplizierten Club ein Akt des Wahnsinns.
Robert Schäfer, der Vorstandsboss, versucht es nun so darzustellen, als hätten er und Funkel sich einfach verrannt. In Wahrheit ist er allein verantwortlich für die Posse. Sein Verhalten mutet an wie bei einem Gernegroß, der hochtrabende Pläne verfolgt und dabei die Realitäten übersieht. Würde Schäfer die Fortuna so gut kennen und verstehen wie die Fans, die zuletzt auf die Barrikaden gingen, hätte er Funkel niemals angezweifelt. Für den Moment hat der Trainer nun zwar wieder Ruhe. Aber wenn es das nächste Mal brenzlig wird, dürfte es für den Trainer Friedhelm Funkel das letzte Mal sein.
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