Ismaik erhöht den Druck

von Redaktion

Budget-Ärger verfolgt 1860 bis nach Spanien: Ohne Genussscheine keine Aussicht auf Erfolg

VON LUDWIG KRAMMER

Oliva Nova – Sonnenschein, frühlingshafte Temperaturen zwischen 14 und 18 Grad, das leidige Grimaldi-Thema ausgeblendet (siehe unten) – es könnte alles so schön sein im 1860-Trainingslager am Golf von Valencia, wären da nicht die politischen Probleme, die den Klub seit Jahren begleiten wie schwarze Wolken.

Gestern, an Tag eins, der mit einem Strandlauf begann und nach zwei knackigen Trainingseinheiten kurz vor Sonnenuntergang endete, konnten sich auch die drei Dutzend mitgereisten Fans ein Bild davon machen, wie verfahren die Situation bei ihrem Herzensklub ist. Antworten auf die drängenden Fragen nach der Budgethöhe, dem Verhältnis zwischen den Gesellschaftern und der sportlichen Perspektive – Fehlanzeige. Weder Trainer Daniel Bierofka noch Sportchef Günther Gorenzel waren zu Statements bereit, ein Besuch des Präsidiums oder Ismaik-Vertretern in Oliva Nova ist nicht geplant.

Der rasende Stillstand beim TSV 1860, er geht auch 2019 weiter. „Ich war in 55 Jahren Fan-Sein noch nie so ratlos wie zurzeit“, sagt Franz Hell, einer der Allesfahrer: „Meinem Eindruck nach wartet jede Seite darauf, dass die andere den ersten Schritt macht. Und der Trainer, die Mannschaft und wir Fans, die sich einzig und allein sportlichen Erfolg wünschen, sitzen dazwischen und hoffen auf einen gemeinsamen Weg.“

Wie der aussehen soll? „1860 ist nach wie vor ein krankes Unternehmen“, ließ sich Geschäftsführer Michael Scharold im SZ-Interview zitieren: „Ich habe beiden Gesellschaftern im Dezember schriftlich vier verschiedene Wege – mit oder ohne Gesellschaftermittel – aufgezeigt, wie wir mittelfristig zu dem Ziel kommen, ein ausgeglichenes und wettbewerbsfähiges Budget aufstellen zu können. Und ich habe beide darum gebeten, mir ihre Präferenz für eines der vier Modelle mitzuteilen.“ Die Reaktion? Keine. „Ich habe bis jetzt noch keine Antwort.“

Wie hart der Sparkurs ausfällt, wollte Scharold in Kürze verraten. „Ich gehe davon aus, dass ich jetzt zeitnah Antworten bekomme“, sagte er: „Wir wissen, dass wir bis Ende des Monats unbedingt die ersten Schritte in die Wege leiten müssen. Ich erwarte eindeutige Präferenzen.“

Eine erste öffentliche Antwort erhielt der KGaA-Chef gestern. Ismaik-Sprecher Saki Stimoniaris verschickte am Abend folgendes Statement: „Gerne würden wir auf die jüngsten Finanzierungsszenarien, vorgeschlagen vom zuständigen Geschäftsführer, Herrn Michael Scharold, eine positive Antwort geben. Die von Präsident Robert Reisinger am 11. Dezember offiziell verkündete Entscheidung der e.V.-Seite – Genussscheine, Darlehen und vergleichbare Finanzierungsformen können auf Grund der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens künftig nicht mehr akzeptiert werden – verhindert leider die künftige Annahme von Darlehen und Genussscheinen. Die Verweigerung von Genussscheinen seitens des e.V. ist insbesondere für die sportliche Entwicklung der Mannschaft um Trainer Bierofka nicht nur fahrlässig, sondern aus unserer Sicht auch höchst bedauerlich. (…) Wir erwarten, dass der TSV München von 1860 e.V. als 40-prozentiger Gesellschafter der KGaA zukünftig seiner Mitverantwortung auch bei der Finanzierung der sportlichen Ziele gerecht wird. Eine einseitige Bezahlpflicht bei Unternehmen mit mehreren Gesellschaftern ist weder existent noch tragfähig.“

Ismaik erhöht den Druck – klingt nach einer weiteren Zerreißprobe zwischen Investor und Präsidium. Scharold hatte zuletzt einen politischen Vergleich gewählt, als die Rede auf seine Hoffnungen kam: „Vor der großen Koalition hatten CDU, CSU und SPD ja auch unverrückbare Prinzipien in ihrem Wahlprogramm und sie haben dann zusammengefunden für eine Regierung.“ Angesichts der aktuellen Großwetterlage in Berlin sicher nicht das glücklichste Beispiel. Aber ein überaus passendes für 1860.

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