Auf der Suche nach der Leichtigkeit

von Redaktion

SKI ALPIN Felix Neureuther steckt in einer der schwierigsten Phasen seiner Karriere

München – Früher ging irgendwie alles leichter. Felix Neureuther war verletzt oder krank oder beides, aber immer, wenn er dann zurückkehrte oder trotzdem fuhr, gehörte er zu den Weltbesten – Trainingsrückstand hin oder her. Neureuther ist mit einem unglaublichen Skigefühl gesegnet, damit hat er in der Vergangenheit vieles ausgleichen, darauf hat er sich verlassen können. Derzeit aber sieht es nicht danach aus, als gebe es diesen alten Neureuther noch. Nur einen alternden.

Der 34-Jährige spürt ja selbst, dass diesmal vieles, wenn nicht alles anders ist. „Früher, als alles einfacher gegangen ist, bin ich im ersten Durchgang runtergefahren und war in Schlagdistanz. Jetzt fahre ich runter und bin nicht in Schlagdistanz“, sagte er nach dem 15. Platz beim Weltcup-Slalom von Adelboden. Er sei, ergänzte er, nun „erst mal froh, nach Hause zu kommen“, dort müsse er „dringend ein paar Dinge in den Griff kriegen“.

In den vier Slaloms seit seinem Comeback belegte Neureuther die Ränge 27, 8, 8 und nun eben 15. Jedes Mal gelang ihm nur ein wirklich guter Lauf. Am Sonntag hörte er sich bisweilen an, als sehe er das Ende seiner Karriere wesentlich rascher auf sich zukommen, als es ihm lieb ist. Dabei hatte er noch zum Saisonbeginn nicht ausschließen wollen, womöglich bis zu den Olympischen Spielen 2022 weiterzumachen.

In Adelboden klang Neureuther wie auf einer Abschiedstournee. „Vielleicht ist das ein schöner Abschluss“, sagte er über die in drei Wochen beginnende WM im schwedischen Are beginnt und am 17. Februar mit dem Slalom der Männer endet. Er sagte im Berner Oberland, er sei „einfach total dankbar dafür, dass ich die Rennen hier noch mal bestreiten darf“. Am Chuenisbärgli, hat er gemeint. Aber auch die nächsten WeltcupSlaloms, am Sonntag in Wengen, eine Woche später in Kitzbühel und in Schladming.

Noch mal – noch ein letztes Mal? Neureuther schwankte schon häufig zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, er wirkte freilich nie so ratlos wie jetzt, da ihn sein begnadetes Skigefühl verlassen zu haben scheint. Und damit die Selbstverständlichkeit. „Momentan muss ich sehr viel nachdenken am Start, damit ich weiß, was ich zu tun habe und funktioniere. Dann verkrampft das ganze System“, gibt er zu. Dabei weiß Neureuther, wie er die Leichtigkeit zwischen den Stangen zurückkehrt: „Ich muss oben am Start stehen und es einfach nur laufen lassen.“  sid

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