Wolfgang Maier lebt für den Skisport. Früher als Trainer, und seit 2006 als Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes. Er hat sich darauf eingestellt, dass – rein sportlich – auf gute Tage oft schlechtere folgen, aber eben auch andersherum eine Pechsträhne nicht ewig anhält. Doch daran, dass Verletzungen fast schon zum Tagesgeschäft gehören, daran mag er sich nicht gewöhnen. Ausfälle treffen zwar nicht nur die deutschen Alpinen – in der vergangenen Woche haben in Stephanie Brunner und Anna Veith innerhalb von zwei Tagen zwei österreichische Medaillenkandidatinnen Kreuzbandrisse erlitten –, aber bei einer vergleichsweise kleinen Mannschaft mit gerade einmal drei, vier Siegläufern fällt dies natürlich mehr ins Gewicht als bei den großen Skinationen. In Momenten wie jenem am Samstag, als der ohnehin schon leidgeprüfte Stefan Luitz mit ausgekugelter Schulter ins Krankenhaus geflogen wurde, gewann die Emotionalität bei Maier verständlicherweise wieder einmal die Oberhand. „Der Skisport“, sagte er, „schafft sich selbst ab.“
So weit wird es wohl nicht kommen, aber tatsächlich verlieren die Alpinen fast jeden Winter ein paar ihrer prominentesten Protagonisten, auf Zeit oder manchmal auch dauerhaft, weil die Folgen der Verletzung zu schwerwiegend für eine Rückkehr in den Hochleistungssport sind. Sicherheitsdiskussionen gibt es reichlich, aber nicht die ganz großen Lösungsansätze.
Ursachen und Verletzungen sind zwar nicht vergleichbar. Thomas Dreßen erlitt den Kreuzbandriss bei einem kapitalen Crash, Andreas Sander bei einem Sprung, und Stefan Luitz kugelte sich die Schulter beim Versuch aus, einen Sturz zu vermeiden. Aber fast alle Unfälle haben eines gemeinsam: Viel zu hohe Kräfte wirkten auf den Körper. Die ließen sich verhindern, wenn die Athleten etwas langsamer zu Tal rasen würden. Doch weder Athleten noch Fernsehanstalten oder Skifirmen haben ein Interesse an gedrosseltem Tempo. Seit der vergangenen Saison sind die Riesenslalom-Skier wieder länger und stärker tailliert, so wie vor 2012. Der Fahrstil ist ästhetischer und der Spaßfakor höher, weil die sich die Skier leichter um die Kurve fahren lassen. Allerdings war klar, dass die Gefahr fürs Knie noch einmal steigen würde wegen der höheren Fliehkräfte. Der Attraktivität scheint wichtiger als Sicherheit. Zumindest solange, bis Verletzungsmisere wieder einmal zu groß wird..
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net