Kompliment aus Frankfurt

von Redaktion

BASKETBALL In den letzten 40 Tagen haben die Bayern 15 Spiele gemacht – das beeindruckt sogar die Konkurrenz

München – Als Gordon Herbert sich am Sonntagabend in den Presseraum der Basketballhalle am Westpark setzte und seinen kurzen Vortrag zum Spiel hielt, fing er an, dem FC Bayern Komplimente zu machen. Er sagte: „Es ist schön, zu sehen, dass sie sich in der Euroleague so gut anstellen.“ Weiter: „Das ist großartig für den deutschen Basketball.“ Und dann noch: „Wenn sie unter die Top-Acht kommen könnten, wäre das eine große Leistung.“ Danach erst fing Herbert, der kanadische Cheftrainer der Frankfurter Basketballer, an, über das Bundesligaspiel zu reden, das sein Team gerade 71:80 verloren hatte.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass Trainer auf Pressekonferenzen mit ihren ersten Worten dem anderen Trainer gratulieren, erst recht, wenn sie verloren haben. Meistens aber sagen sie das so: „Congrats to coach and his team.“ Glückwunsch an den Trainer und sein Team. So viele Komplimente wie Gordon Herbert verteilen sie selten. In diesem Fall gibt es dafür zwei Erklärungen: Einerseits gehört Herbert, 59, einfach zu den höflichsten Trainern der Liga. Andererseits ist es wirklich sehr hervorhebenswert, was der FC Bayern gerade abliefert.

Seit dem 6. Dezember hat der deutsche Meister 15 Pflichtspiele abgerissen, acht in der Euroleague, sechs in der Bundesliga und noch eins im Pokal. 15 Spiele in 40 Tagen, mit Reisen durch ganz Europa. Am Sonntag sagte Dejan Radonjic, der Trainer: „Wir versuchen, zu überleben.“

Die Kunst des Überlebens beherrschen der Trainer und seine Mannschaft ziemlich gut. In der Bundesliga sind sie nach 15 Spielen noch immer ungeschlagen, in der Euroleague steuern sie als Tabellensiebter auf die Playoffs zu, nur im Pokal schieden sie aus. Es gibt immer wieder Momente, da merkt man den Bayern die Belastung an. Als statistischen Beweis kann man die Zahl der Rebounds heranführen, ein Wert, der viel mit Einsatz zu tun hat. Die Frankfurter etwa schnappten sich 18 Offensivrebounds – sie krallten sich die Bälle also in der Zone, die die Bayern eigentlich kontrollieren müssen. Doch meistens gibt es dann auch die Momente, in denen die Bayern die Intensität für ein paar Minuten erhöhen – und den anderen Bundesligisten einfach davonziehen. Power Forward Danilo Barthel, der gegen seinen Ex-Club Frankfurt 18 Punkte erzielte, sagte: „Wir sind ruhig geblieben. Ich war mir eigentlich sicher, dass wir das Spiel gewinnen.“

Am Donnerstag schon treten Barthel und die Bayern wieder in der Euroleague an: in Moskau, gegen ZSKA. Am Montag aber hatten sie frei – zum ersten Mal seit 14 Tagen. CHRISTOPHER MELTZER

Artikel 1 von 11