Warme Sonne, kalter Krieg

von Redaktion

Derweil sich das Team in Spanien vorbereitet, verhärten sich bei 1860 die politischen Fronten

VON LUDWIG KRAMMER

Oliva Nova – Viel größer könnte der Kontrast nicht sein. Während Trainer Daniel Bierofka seine Mannschaft in Oliva Nova bei bester Trainingslager-Stimmung auf die Restrunde vorbereitet, geht der kalte Krieg in der winterlichen Heimat in die nächste Runde.

Nach Hasan Ismaiks Druckerhöhung am Sonntagabend („Die Verweigerung von Genussscheinen seitens des e.V. ist insbesondere für die sportliche Entwicklung der Mannschaft um Trainer Daniel Bierofka nicht nur fahrlässig, sondern aus unserer Sicht auch höchst bedauerlich“) lag es gestern an Präsident Robert Reisinger (seit heute 55), eine Antwort zu geben.

Auf der Vereinshomepage bekräftigten das Kluboberhaupt und seine beiden Stellvertreter die Haltung des e.V. in der Finanzierung des Profifußballs. „Die Nachwirkungen der lockeren Politik kreditfinanzierter Risikoinvestitionen – insbesondere aus der Zweitliga-Abstiegssaison 2016/2017 – belasten das Unternehmen bekanntermaßen stark“, hieß es in der Stellungnahme. „Weitere Kreditaufnahmen bei unserem Mitgesellschafter können kein sinnvolles Finanzierungsinstrument (…) mehr sein. Möchte unser Mitgesellschafter das Saisonbudget und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, ist das in Form eines Sponsorings jederzeit möglich.“

Dass sich Ismaik auf ein solches einlassen wird, ist ebenso wahrscheinlich wie der direkte Durchmarsch der Löwen in die Zweite Liga. Eher war im Umfeld mit einer Kompromissbereitschaft des Präsidiums gerechnet worden, nachdem Geschäftsführer Michael Scharold am Wochenende per Interview „professionelles Denken“ für „das Konstrukt 1860“ eingefordert hatte. Grundsätzlich seien Darlehen auf der Basis von Genussscheinen „eine sehr positive Entscheidung“ für die 1860-Fußballfirma, sagte der Finanzfachmann. „Man sollte sie aber nicht nur für ein Jahr treffen, sondern für einen gewissen Zeitraum, ich halte drei Jahre für das Minimum.“ Scharold, der Brückenbauer?

Es dürfte beim Willen bleiben. „Das ist nichts Persönliches“, sagte Reisinger gestern Abend. „Hasan Ismaik vertritt seine Interessen als Investor. Ich vertrete die Interessen des Vereins. Dabei können die Interessenlagen im Einzelfall verschieden sein. Das muss man im Konfliktfall emotionslos und mit professioneller Distanz behandeln“, führte er weiter aus, „einen wirtschaftlichen Kurs, der die Gefährdung des Vereins nach sich zieht, oder das gemeinsame Unternehmen noch tiefer in Abhängigkeiten führt, kann und darf ich nicht unterstützen. Auch dann nicht, wenn mein Gegenüber der netteste Mensch der Welt wäre.“

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