Cadiz – Johan de Kock ist den Fans von Schalke 04 bis heute ein Begriff, weil er ein Mitglied der berühmten „Eurofighter“ war, die 1997 den damaligen UEFA Pokal gewannen. Auch aus einem anderen Grund hat er in Gelsenkirchen Spuren hinterlassen: Bereits während seiner Profikarriere hatte er sein Studium zum Straßen- und Wasserbau-Ingenieur abgeschlossen, unter anderem war er am Bau der Schalke-Arena beteiligt. Nach seinem Abschied vom bezahlten Fußball gründete der Niederländer dann zwei Bauunternehmen.
Dass Fußballprofis nebenbei studieren, ist keine Seltenheit, doch de Kocks Doppelengagement in Schalker Diensten ist durchaus ungewöhnlich. Auch in Unterhaching geht ein Spieler aktuell einer Nebenbeschäftigung nach, die bei ihm auf den ersten Blick erstaunt. Marc Endres, den die Kollegen wegen seiner kompromisslosen Abräumarbeit „Katsche“ rufen, möchte dieses Jahr seine Unilaufbahn abschließen. Der Abwehrriese studiert tatsächlich: Grundschullehramt.
Auch bei der SpVgg ist er für das ABC zuständig, für das des Verteidigens. Wegen seiner kernigen Art holte ihn Haching aus Chemnitz, wo er sich bereits als Kapitän zu einer Führungskraft entwickelt hatte. Bei seinem neuen Arbeitgeber etablierte er sich schnell in der Riege der Wortführer. Das Verteidigen mache ihm so viel Spaß wie anderen das Toreschießen: „Für mich ist es genauso schön, das Spiel des Gegners zu zerstören.“ Seinen Spitznamen „Katsche“ hat er bereits seit seiner Anfangszeit in Heidenheim. Weil er immer schon kompromisslos vorangegangen ist. „Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht mal laut sein dürfte“, sagte der 27-Jährige nun im Hachinger Trainingslager in Cadiz. Seine Schüler in spe können sich da ja auf was gefasst machen.
Das mit dem Lautwerden will sich Christoph Greger in den nächsten Monaten zunehmend von seinem Kollegen abschauen. Der gebürtige Münchner, der zum Wochenstart 22 wurde, hat sich an der Seite des Neuzugangs als Innenverteidiger in die erste Elf gearbeitet – in der Führungsetage prophezeien sie ihm eine große Zukunft. Alexander Hack schaffte es auch aus Hachings defensiver Zentrale in die Erste Liga, und von den Anlagen her ist Greger besser ausgestattet als der heutige Mainzer Profi. In Endres sieht er einen Kollegen, von dem er viel lernen kann, sagt Greger, neben der Lautstärke („bei uns sehr wichtig, wir müssen das Spiel von hinten heraus leiten“) möchte er sich bei den Fähigkeiten einer Führungsfigur an seinem Nebenmann orientieren.
Wie Endres studiert Greger ebenfalls: Wirtschaftswissenschaften. Seine Eltern hatten ihn außerdem gedrängt, eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu machen, denn er sollte nicht alles leichtsinnig auf die Karte Profifußball setzen. Ab und zu fragen ihn seine Kollegen nun wegen Anlagetipps, „aber ich werde ihnen sicher nichts andrehen oder verkaufen“, sagt er lachend. Der Grundschullehrer und der Bankkaufmann – für die gegnerischen Stürmer ist keine Chance, um sich auszutoben oder Beute zu machen.