Der verdammte letzte Wurf

von Redaktion

HANDBALL Deutschland verspielt Sieg gegen Frankreich – Hauptrunde erreicht

Berlin – Kapitän Uwe Gensheimer trat vor Wut gegen den Pfosten, Torwart Andreas Wolff biss frustriert in sein Trikot: Trotz der besten Turnierleistung haben Deutschlands Handballer einen Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich in letzter Sekunde verpasst. Durch das 25:25 (12:10) im Handball-Krimi von Berlin steht die DHB-Auswahl aber zumindest vorzeitig in der WM-Hauptrunde und hat im Kampf um das Halbfinale weiter alle Trümpfe in der Hand. Gensheimer, Martin Strobel und Fabian Wiede waren mit jeweils vier Treffern beste Werfer der stürmisch gefeierten DHB-Auswahl.

„Ich bin froh, dass ich mir den Fuß nicht gebrochen habe“, sagte Gensheimer über seinen Frusttritt. „Wir haben so ein geiles Spiel abgeliefert. Dann waren es wieder Kleinigkeiten.“ Bundestrainer Christian Prokop war mehr zufrieden mit seinem Team als enttäuscht über das Ergebnis: „Die Art und Weise war heute begeisternd. Das war Wahnsinn bis zum Schluss.“

Die hätte sich mit einem Erfolg ideale Voraussetzungen für die nächste Turnierphase schaffen können. Dennoch macht vor allem die überragende Defensivleistung Mut für den weiteren WM-Verlauf. Frankreichs bester Werfer Kentin Mahé (9 Tore) war auf jeden Fall beeindruckt: „Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft von Spiel zu Spiel besser spielt.“

Vor dem Anpfiff hatten die deutschen Spieler im Teamhotel die Nachricht vom Sieg Brasiliens gegen Russland erhalten, durch den der Punktverlust vom 22:22 gegen die Russen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Bedeutung für den weiteren Turnierverlauf hat.

Dies schien die Prokop-Schützlinge zu beflügeln. Vor allem defensiv beeindruckte die deutsche Mannschaft, die in den ersten zehn Minuten nur zwei Gegentore zuließ. Das lag auch an Torwart Andreas Wolff, der sofort auf Betriebstemperatur war.

Dennoch konnte sich die DHB-Auswahl nicht absetzen, weil im Angriff zu viele Chancen vergeben wurden. Unter anderen scheiterte Kapitän Gensheimer erstmals im Turnier vom Siebenmeterstrich an Frankreichs Keeper Vincent Gerard. Der Titelverteidiger, der weiter auf Superstar Nikola Karabatic verzichtete, ging in der 19. Minute beim 5:4 erstmals in Führung. Beeindrucken ließ sich die DHB-Auswahl nicht. Die Defensive stand felsenfest, wofür Patrick Wiencek sinnbildlich stand. Der Kieler Kreisläufer musste schon nach 20 Minuten sein zerschlissenes Trikot tauschen.

Mit einem 3:0-Lauf brachte sich der Gastgeber wieder in Vorderhand. Nun war endgültig Feuer unter dem Dach. Angetrieben von den Fans legten die Hausherren nun auch in der Offensive zu. Der Lohn war eine Zwei-Tore-Führung zur Pause.

Den besseren Start nach dem Wechsel erwischten die Franzosen, die in der 36. Minute beim 15:14 wieder die Führung übernahmen. Prokop reagierte und schickte den Berliner Schlussmann Silvio Heinevetter ins Rennen. In der dramatischen Schlussphase hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. Jede gelungene Aktion wurde frenetisch bejubelt. Zehn Minuten vor Ultimo kam Wolff wieder aufs Parkett und meldete sich gleich per Glanztat zurück. Den letzten Wurf konnte freilich auch er nicht parieren.  dpa

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