London/Hamburg – Enes Kanter hat keine Angst. Das stellte der 26 Jahre alte Basketball-Profi der New York Knicks gestern per Twitter klar. Er werde sich nicht einschüchtern lassen von der türkischen Regierung des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, den Kanter einen „verdammten Wahnsinnigen“ nennt.
Die politische Auseinandersetzung zwischen dem 2,11 großen Center und der Führung seines Heimatlandes gewinnt vor dem London Game der NBA am Donnerstag an Sprengkraft. Die türkische Regierung fordert offenbar die Auslieferung von Kanter, wie mehrere Medien des Landes berichten. Zudem soll Kanter auf die Fahndungsliste von Interpol gesetzt werden.
Die Generalstaatsanwaltschaft in Istanbul habe mit Verweis auf ein Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer Terror-Organisation einen entsprechenden Antrag eingereicht, heißt es. Kanter steht der Gülen-Bewegung nahe, die von Erdogan für den Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wird.
„Ich habe eine Stimme, eine sehr laute Stimme, weil ich in den USA Basketball spiele“, sagte Kanter. Er bemängelt eine Erosion der Demokratie, Menschenrechtsverletzungen und eingeschränkte Pressefreiheit in der Türkei: „Ich versuche, die Stimme all dieser unschuldigen Menschen zu sein.“
Für seine politischen Überzeugungen ist Kanter bereit, einen hohen Preis zu zahlen. Seine Familie leide unter seinem Engagement, sagt er. Auch sein Job ist betroffen. Das Spiel in London etwa hat er bereits abgesagt. Trotzdem wolle er in Zukunft seine Stimme erheben. sid