Kretzschmar im (Un)Recht

von Redaktion

Aussagen zur Meinungsfreiheit finden geteiltes Echo

Berlin – Nach Äußerungen des früheren Handball-Nationalspielers Stefan Kretzschmar (45) über angeblich mangelnde Meinungsfreiheit in Deutschland haben Prominente dazu Stellung genommen. Der frühere Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier sagte der „Bild“-Zeitung: „Die Meinungsfreiheit ist eines der wichtigsten Grundrechte unserer Verfassung. Und ich sehe sie nicht in Gefahr. Was Herr Kretzschmar da sagt, halte ich für eine grobe Verzerrung der tatsächlichen Gegebenheiten.“ Der Liedermacher Wolf Biermann erklärte: „Die Lüge dieses genialen Handballers ist ein Eigentor.“

Der Psychologe Ahmad Mansour sagte, natürlich habe man in Deutschland Meinungsfreiheit. „Aber aus Angst, die Rechten zu stärken, sind in jüngster Zeit Tabus entstanden bei Themen wie etwa Islam oder Integration, die es schwer machen, offen und sachlich zu diskutieren“, so der deutsch-israelische Autor und Islamkritiker.

Schauspieler Til Schweiger gab Kretzschmar „total recht“. „Wenn man populäre Meinungen vertritt, dann kriegt man sofort die Populisten-Keule. Wenn man einen Aufruf für eine Familie von einem gefallenen Soldaten postet und Geld sammelt, dann kriegt man Stress von der Linken“, so der 55-Jährige. „Und, wenn du sagst, du musst Flüchtlingen helfen, kriegst du Stress von der Rechten.“

Der Magdeburger Politik- und Gesellschaftspsychologe Thomas Kliche sprach von einem „Problem“: „Grundlegende Kritik in unserer Gesellschaft wird prinzipiell erst einmal dem Populismus zugeordnet.“ Diese Vereinfachung belaste Debatten.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) erklärte dagegen: „Selbstverständlich kann in unserem Land jeder sagen, was ihm gefällt.“

Kretzschmar hatte vergangene Woche gesagt, es sei heute nur noch „mainstreampolitische Meinung“ gefragt. Wer sich „gesellschaftskritisch oder regierungskritisch“ äußere, bekomme „sofort jedes Wort vorgeworfen“. Unterdessen hat Kretzschmar seine Aussagen bekräftigt und sich eine größere Akzeptanz anderer Ansichten gewünscht. Er sei überrascht von dem, was aus seinen Aussagen gemacht werde. „Aber ich weiß auch, dass ich mich für das, was ich gesagt habe, nicht rechtfertigen muss und auch nicht weiter rechtfertigen werde, weil es für mich völlig okay ist, so wie ich es gesagt habe“, meinte Kretzschmar.

Zugleich distanzierte sich der Leipziger davon, dass die AfD Heidelberg seine Äußerungen auf Twitter verbreitet hat. Dass er politisch instrumentalisiert werde, so Kretzschmar, von einer Richtung, „der ich fremder und ferner nicht sein könnte, das ist natürlich tragisch und grotesk“.  kna

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