HSV-Präsident Marcell Jansen

Alles Gute, Romantiker!

von Redaktion

GÜNTER KLEIN

Marcell Jansen ist neuer Präsident des Hamburger SV. Das ist eine passende Stelle für ihn. Als Funktionär ist man nicht so anfällig für das, was einem Spieler alles an Unbillen widerfahren kann. Bei Jansen waren es innerhalb von acht Profispielerjahren: Sehnenentzündung, Syndesmosebandriss, Achillessehnenprobleme, Hüftprobleme, Knieprobleme, Schulterverletzung, Zehenbruch, Knieprellung, Außenbandanriss Sprunggelenk, Muskelfaserriss im Adduktorenbereich, Muskelzerrung, manches mehrmals, dazu die Erkrankungsklassiker Magen-Darm-Virus und Grippe. 914 Ausfalltage (Quelle: transfermarkt.de) verzeichnet seine persönliche Statistik der Leiden. Als Präsident kann man ja allenfalls eine Sehnenscheidenentzündung von der Computertastatur bekommen. Und vielleicht „Rücken“ vom Sitzen.

Verkneifen wir uns die Lästereien. Jansen ist ein guter Kerl. Rudi Völler warf ihm vor, dass er „den Fußball nie geliebt“ habe – wegen des frühen Karriereendes vor dem 30. Geburtstag. Doch gerade dieser Rückzug war der vollkommene Liebesdienst am Fußball: Nicht noch mal einen Vertrag abstauben, sondern konsequent aufhören, wenn das Spiel nur noch Mühsal wäre und kein Spaß. Jansen ist dem Fußball auf die ehrlichste Art verbunden.

Der Romantiker in ihm kommt auch in dieser HSV-Geschichte durch. Ein so verträumtes wie mutiges Unterfangen, in diesem Club etwas bewegen und Integrationsfigur sein zu wollen. Das Problem beim HSV waren in der Vergangenheit oft schon die Personen – mehr aber noch die Strukturen. Kein Club ist sich selbst so im Wege gestanden wie dieser, in dem viele Hamburger Honoratioren mitreden wollen. Selbst gewiefteste Geschäftsleute haben erkennen müssen: Eine Firma führt sich leichter als dieses emotionale Gebilde HSV.

Viele sind zudem am Mangel an sportlicher Kompetenz gescheitert. Doch auch wer sich auskennt, ist nicht auf der sicheren Seite. Es war ja sogar mal Uwe Seeler Präsident, der mehr für den HSV steht als jeder andere und natürlich ein Auge hat, wer was kann und wer nicht. Trotzdem begann unter ihm der Niedergang.

Marcell Jansen dennoch alles Gute. Möge er im Amt keinen seelischen Verletzungen hinnehmen müssen.

Guenter.Klein@ovb.net

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