Die Stresser von der Säbener

von Redaktion

Der FC Bayern braucht viel Stehvermögen, will er den BVB nachhaltig nerven

VON ANDREAS WERNER

München – Der Auftrag aus der Fankurve hallte unüberhörbar deutlich durch das Stadion der TSG Hoffenheim. Als die Profis des FC Bayern mit ihren Anhängern das 3:1 zum Rückrundenstart feierten, skandierten ihre Fans nicht nur „Super Bayern, hey, hey“, sondern in „Deutscher Meister wird nur der FCB“ einen weiteren Dauerhit in der Münchner Kurve. Es herrschte Aufbruchstimmung nach dem überzeugenden Auftakt in die entscheidende Saisonphase. Nur gab es tags darauf gleich einen Dämpfer. Dortmund ließ sich nicht irritieren und gewann im unangenehmen Leipzig 1:0. Die Bayern werden viel Stehvermögen brauchen, wollen sie den Auftrag der Fans erfüllen.

Ihre einzige Chance ist, den Dortmundern die Rückrunde zu einem Spießrutenlauf zu machen. Sechs Punkte sind ja nicht wenig, und nur wenn das Nervenflattern einsetzt und der BVB nachhaltig aus dem Tritt kommt, bestehen noch Chancen auf die siebte Meisterschaft der Münchner in Serie. Die Bayern müssen sich mit ihrer neuen, ungewohnten Rolle anfreunden. „Wir sind da, wir sind präsent“, sagte Niko Kovac, „wir werden den BVB jagen und wollen irgendwann vorbeiziehen.“ Sie müssen nerven, das wissen sie selber. In dieser Rückrunde können die Bayern das Geschehen nicht majestätisch dominieren, sie müssen in den Häuserkampf. Die Stresser von der Säbener Straße, mit denen nicht gut Kirschen essen ist.

Thomas Müller meinte, der Plan sei klar: Vom ersten Moment an Dortmund Druck zu machen. „Vor allem die erste Halbzeit in Hoffenheim war da ein kleines Statement“, so der Nationalspieler. Tatsächlich hatten die Münchner ihren Gegner in den ersten 45 Minuten dominiert wie zu ihren besten Zeiten. „Das war wahrscheinlich unsere beste Halbzeit in dieser Saison“, bewertete Manuel Neuer, das zeige, so der Kapitän, „dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“. Zu tun ist aber dennoch einiges, denn in der zweiten Hälfte ließen die Bayern nach. „Diesen offenen Schlagabtausch wollten wir nicht“, kritisierte Kovac, „wir müssen den Elan aus der ersten Hälfte mitnehmen.“

Zudem lohnt es sich, den einen oder anderen Ansatz der Startpartie dauerhaft ins Repertoire aufzunehmen, die besagten Hausaufgaben können auch noch bei weiteren Prüfungen dienlich sein. Leon Goretzka auf der „10“ zum Beispiel war eine feine Idee, die die Offensive noch variantenreicher macht. Dass er in seiner neuen Rolle gleich seinen ersten Bundesliga-Doppelpack feierte, verwunderte Müller kaum. Goretzka zeige im Training verlässlich, wie torgefährlich er ist, meinte der Offensivkollege, zudem brachte Goretzka bei beiden Treffern viel Willen ein – den man bei dem Vorhaben braucht, den BVB zu quälen.

Beim 1:0 setzte der ehemalige Schalke nach, wo sich andere längst abwenden würden. Beim 2:0 trat er den Ball ins Tor, während er mit seinem ganzen Körper tief ins Parterre abgetaucht war. Es soll jetzt schon so sein, „dass wir Woche für Woche den Druck auf Dortmund erhöhen“, meinte er. Dafür muss man eben alles geben, in allen (Lebens-)Lagen.

Auch Niklas Süle übte sich am Freitag in unerschütterlicher Zuversicht, bloß in drolliger Nuance mixte er ein wenig Hokuspokus unter. Er hoffe, sagte der Innenverteidiger, dass die Dortmunder eventuell schon in Leipzig verlieren würden – dann hielt er kurz inne und meinte: „Das wünscht man ja eigentlich nie, ich denke immer auch ein bisschen an Karma . . .“ Aber dann blieb er doch bei seinem Wunsch – Karma hin oder her. Erfüllt wurde er nicht. Die Frage mit dem Karma wird spätestens am Saisonende klar sein.

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