Leipzig – Der Druck war nach dem Bayern-Sieg in Hoffenheim brutal, die Sorgen in der Offensive durch den Ausfall von Marco Reus groß – dennoch ließ sich Borussia Dortmund nicht unterkriegen. Der Spitzenreiter der Bundesliga trat beim 1:0 (1:0) bei RB Leipzig dank Keeper Roman Bürki und Torschütze Axel Witsel abgezockt auf und stellte den alten Sechs-Punkte-Vorsprung zu den Bayern im Stil eines echten Champions wieder her.
„Wir sind extrem zufrieden, das war ein schweres Spiel“, sagte Trainer Lucien Favre. Immerhin hatte seine Mannschaft dem Champions-League-Aspiranten RB Leipzig die erste Heimniederlage in der laufenden Saison beigebracht. „Es war ein offenes Spiel. Wir haben das Tor gemacht, deshalb war der Sieg verdient“, meinte der starke Bürki, der die Leipziger Offensivkräfte um Timo Werner verzweifeln ließ.
Überragender Akteur auf dem Feld war BVB-Mittelfeldstratege Witsel. Der Belgier übernahm nach dem Ausfall von Reus die Führungsrolle und glänzte sowohl als Abräumer als auch als Spielmacher. Beeindruckend auch sein Treffer zum 1:0 (19.): Nach einer Ecke donnerte der 30-Jährige den Ball per Dropkick unter die Latte. „Ein schönes und wichtiges Tor. Ich freue mich sehr, dass wir so in die Rückrunde gestartet sind“, sagte Witsel, der auch den Ex-Profi Michael Zorc beeindruckte. „Ein echter Stratege, wie man ihn sich wünscht, Axel lenkt das Spiel“, lobte der Sportchef.
Durch den Sieg setzte der Herbstmeister im Duell mit den Bayern ein Zeichen, reagierte aber auf das Jagdgebrüll aus München zurückhaltend. „Mir ist völlig egal, was die sagen. Wir denken nur an uns, an unser Spiel“, sagte Witsel. „Wir orientieren uns nicht permanent an den Bayern, sondern wollen unser eigenes Rennen fahren“, sagte Zorc und gab sich betont gelassen: „Wir fangen nicht an zu zittern.“
Bürki gab zumindest zu, dass die Tabellenführung Spaß mache. „Klar ist es schön, da oben zu stehen“, sagte der Keeper, der sich in die Gefühlswelt der Bayern gut hineinversetzen konnte. „Ich weiß auch, dass es nicht so schön ist, wenn man dort nicht steht. Deshalb verstehe ich die Aussagen“, sagte er zu den Sticheleien aus München und schob nach: „Aber interessieren tun sie mich nicht.“
Trotz aller Qualität im Kader wünschte sich BVB-Trainer Favre den angeschlagenen Reus schnell wieder zurück. „Ich hoffe, er kann in der nächsten Woche wieder mit der Mannschaft trainieren“, sagte der Schweizer. Laut Zorc hat sich der Offensivstar eine leichte Bänderdehnung zugezogen, die ihn voraussichtlich zwei Wochen außer Gefecht setzen wird. Wie gut der BVB verletzte Spieler ersetzen kann, zeigte auch die Personalie Julian Weigl. Der Ex-Löwe, der „sein ganzes Leben im Mittelfeld gespielt hat“ (O-Ton Zorc), musste erneut in der Innenverteidigung aushelfen und machte seinen Job gut. Prompt durfte der Ex-Nationalspieler alle Abwanderungsgedanken zurückstellen. „Er bleibt auf jeden Fall bis zum Saisonende bei uns“, machte Zorc klar.
Kleinlaut verließen die Leipziger die eigene Arena, obwohl das Team Vierter blieb. Gegen den Taktik-Tüftler Favre fand Ralf Rangnick nicht das richtige Mittel – trotzdem war der RB-Coach mit den Seinen zufrieden: „Wenn wir so weiterspielen, werden wir einen Platz unter den ersten Vier erreichen.“ dpa
Zorc lobt Witsel: „Ein echter Stratege“