Ruhpolding – Arnd Peiffer ist meistens die Ruhe selbst. Ein eher introvertierter, bedächtiger, betont sachlicher Sportsmann, der nur ungern seine Gefühle preisgibt. Umso erstaunlicher war es, dass er beim Weltcup in Ruhpolding mehrfach lautstark Klage führte. Ganz offensichtlich hatte sich da bei ihm einiges angestaut, und nun musste dieser Missmut endlich raus. Auch wenn das gar nicht der sonst so feinen Art des Biathleten aus dem Oberharz entsprach. Die Zielscheibe seiner Schelte war Wolfgang Pichler. Dem aus Ruhpolding stammenden Chefcoach der Schweden warf er vor, die Seinen in der Loipe auf absolute Passivität einzuschwören. „Die übernehmen nie, nie, niemals Führungsarbeit“, schimpfte Peiffer gegenüber Journalisten: „Sagt dem Pichler: Das nervt!“
Der Sprint-Olympiasieger beschwerte sich in Radio-Interviews, in der Presskonferenz, in Gesprächen mit Journalisten. Wobei er seine Tiraden, die aus ihm wie ein Sturzbach heraussprudelten, mit einem kräftigen Schuss Ironie mischte. So rührte sich unter den Medienschaffenden durchaus auch Belustigung, als der 31-Jährige das taktische Verhalten der schwedischen Skijäger beschrieb: „Die kleben zwei Millimeter hinter einem, latschen einem auf die Ski. Und sollen sie mal kurz Führungsarbeit übernehmen, dann treten sie zwei Meter zur Seite. Mit solchen Leuten gewinnst du nichts!“
Im Fachjargon werden solche Arbeitsverweigerer auch abfällig „Lutscher“ genannt. Ihr Ziel ist, im Windschatten der Konkurrenz möglichst viel Kräfte zu sparen, also vom Engagement der anderen zu profitieren. Ein legales Verhalten zwar, das aber in Sportlerkreisen als eher inkorrekt bis würdelos empfunden wird. Dass die Schweden sich derart skrupellos und grundsätzlich auf die Drückebergerei verlegen, führt Peiffer auf entsprechende Anweisungen ihres 64-jährigen Chefs zurück. Mit einem Augenzwinkern merkte Peiffer an: „Ich habe das Gefühl, der Wolfi schlägt seine Leute, wenn sie auch nur für einen Meter nach vorne laufen.“
Pichler nahm die Vorwürfe ziemlich gelassen. „A bisserl Taktik gehört auch zum Sport“, sagte er. „Und wenn da ein Olympiasieger Peiffer unterwegs ist, dann muss ein junger, unerfahrener Mann wie unser Martin Ponsiluoma nicht vor ihm herlaufen.“ Lächelnd fügte der Oberbayer hinzu: „Sagt’s dem Arnd: Das ist Coaching!“ ARMIN GIBIS