Ein Punkt im Schneechaos

von Redaktion

In Lotte spielt der TSV 1860 1:1 – doch an echten Fußball ist nicht zu denken

VON CHRISTOPHER MELTZER

Lotte/München – Die Idee von Matthias Rahn war eigentlich gut. Er wollte den Ball zu seinem Torhüter zurückpassen, wie ein Verteidiger das eben so macht, wenn ein Stürmer sehr schnell auf ihn zurennt. Das Problem war nur: Rahn, der Abwehrspieler der Sportfreunde Lotte, hatte nicht an den Schnee gedacht. Als er nämlich mit dem rechten Außenrist gegen den Ball kickte, bremste dieser ziemlich flott wieder ab. Und als Rahn seinen Fehler realisierte, war Nico Karger, der Stürmer des TSV 1860, schon an ihm vorbeigerauscht und schoss den Ball recht mühelos ins Tor.

Obwohl der Schnee den Löwen schon in der sechsten Minute zum Tor verhalf, haben sie sich beim Re-Start der 3. Liga am Freitagabend nur einen Punkt geschnappt. Im Fußballstadion in Lotte, wo man nicht wirklich Fußball spielen konnte, erreichten die Löwen ein 1:1 (0:1). Und weil sie eben so früh bereits geführt hatten, war das am Ende ärgerlich, aber wohl doch verdient.

Vor 33 Tagen hatten die Löwen das letzte Mal ein Punktspiel in der 3. Liga bestritten, doch sehr viel geändert hatte sich am Freitagabend in Lotte nicht. Klar, Adriano Grimaldi, der Fünf-Tore-Stürmer, zieht jetzt mit Uerdingen durch die Liga. Im ersten Spiel des neuen Jahres fehlten zudem Quirin Moll und Marius Willsch verletzt, Herbert Paul, eigentlich Außenverteidiger, durfte daher rechts vorne anfangen. Das Tor aber hütete immer noch Marco Hiller, der sich im Zweikampf mit Hendrik Bonmann vorerst durchgesetzt hat. In der Verteidigung vertraute Trainer Daniel Bierofka weiter einer Formation mit drei eher zentralen Abwehrspezialisten (Weber, Berzel, Lorenz). Und was war mit der fehlenden Kreativität im Angriff? Auf diesen Punkt gab es am Freitag keine Antwort – was freilich mit dem Schnee zu tun hat, der den Rasen bedeckte und ein vernünftiges Passspiel verhinderte. In der Halbzeitpause sagte Löwen-Co-Trainer Oliver Beer im „Magentasport“-Interview bereits: „Das hat mit Fußball nichts zu tun.“

Als die Spieler sich am Freitagabend aufwärmten, schaufelten die Helfer noch die Linien frei. Trotzdem wurde gespielt. Auf die Verhältnisse hatten sich die Löwen gut eingestellt, in jener sechsten Minute schaltete Karger schnell. „Wir sind es gewohnt“, hatte Bierofka schon vor dem Spiel zu dem Schnee gesagt. In der Folge verteidigte 1860 clever, vor dem Löwen-Tor tauchte Lotte höchstens nach Freistößen auf. Auf der anderen Seite waren die Schüsse von Bekiroglu und Mölders zu harmlos. Dieses Duo sollte den Angriff auch ankurbeln. Bierofka hatte Bekiroglu den „Anschlussspieler“ genannt, der die Sturmspitze Mölders unterstützen soll. Doch so viel kann man schon verraten: Es kam nicht mehr viel von den beiden.

In der zweiten Halbzeit traten die Sportfreunde anders auf, das merkte man sofort. Sie liefen die Löwen aggressiver an, spielten zügiger nach vorne – und schon in 50. Minute schlenzte Paterson Chato den Ball ins Tor. Zuvor hatte Simon Lorenz den Ball zu kurz abgewehrt. Allerdings, und das passte zu diesem Spiel, war daran der Schnee nicht unschuldig.

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