Ferstl und der erfolgreiche Kampf gegen den Strudel

von Redaktion

Platz sieben bestes Kitzbühel-Ergebnis – Dritter Coup von Paris auf der Streif

VON ELISABETH SCHLAMMERL

Kitzbühel – Fast nichts war so wie sonst am Tag der Hahnenkammabfahrt in der Gamsstadt. Kein Mega-Stau durch Kitzbühel, die Anzahl der Feierbiester hielt sich zumindest tagsüber in Grenzen, ebenso die der Zuschauer. 25 000 Besucher sind für den Freitag zwar eine gute Quote, nicht jedoch für die Abfahrt. Aufgrund der Wetterprognosen hatte sich der Veranstalter entschlossen, das berühmteste Skirennen der Welt kurzfristig einen Tag nach vorne zu ziehen,

Dass in Arnold Schwarzenegger außerdem ein Dauergast der vergangenen Jahre fehlte, lag aber womöglich nicht an der Verschiebung. Vielleicht ahnte er einfach, dass es wieder nichts werden würde mit einem Sieg eines Landsmanns. Zum fünften Mal in Serie stand am Freitag kein Österreicher ganz oben auf dem Podest.

Eine Weile musste die Skination sogar befürchten, dass schon wieder ein Piefke schneller sein würde als der Beste im rotweißen Skianzug. Als Josef Ferstl mit Nummer vier startete, waren bereits zwei Österreicher im Ziel. Der eine, Hannes Reichelt, hatte 2014 für den letzten Abfahrtserfolg seines Teams auf der Streif gesorgt, der andere, Matthias Mayer, war 2014 Olympiasieger in dieser Disziplin. Aber der Deutsche setzte sich unter dem Raunen und anerkennenden Beifall der Zuschauer vor die beiden und nahm Platz auf dem Stuhl des aktuell Führenden.

Ein wenig erinnerte die Situation an das Jahr zuvor, als Thomas Dreßen mit Bestzeit im Ziel abgeschwungen hatte. Damals waren die Favoriten aber bereits im Ziel, dieses Mal standen die meisten noch oben. „Freilich habe ich gehofft, dass es für ihn so ausgehen könnte wie für mich letztes Jahr“, sagte der Streif-Sieger von 2018, der nach seinem Kreuzbandriss das Rennen als Zuschauer verfolgte.

Ferstl durfte ein paar Minuten auf eine Überraschung hoffen, 40 Jahre nach dem zweiten Hahnenkamm-Sieg seines Vaters Sepp Ferstl, dann unterbot Beat Feuz die Zeit um 0,90 Sekunden. Der Schweizer war im Jahr davon bereits als Gewinner gefeiert worden, ehe ihn Dreßen noch die goldene Gams, die Trophäe für den Schnellsten auf der Streif, entrissen hatte. Auch dieses Mal blieb ihm auf der anspruchsvollen Piste, auf der für Schweden startende Alexander der Köll als einziger Athlet spektakulär gestürzt ist (aber keine schweren Verletzungen erlitt) , nur der zweite Platz, denn Dominik Paris aus Paris war noch einmal zwei Zehntelsekunden schneller. „Ich weiß nicht, ob der heimlich trainiert hier oder was der macht“, sagte Ferstl über den Südtiroler, der bereits 2013 und 2017 das Hahnenkammrennen gewonnen hatte. Für das österreichische Leiden gab es schließlich doch noch eine leichte Linderung Otmar Striedinger schob sich noch auf den dritten Platz.

Für Ferstl reichte es am Ende zu Platz sieben, sein bestes Ergebnis in Kitzbühel und sein bestes in einer Weltcup-Abfahrt seit gut vier Jahren. In Abwesenheit der verletzten Dreßen und Andreas Sander (ebenfalls Kreuzbandriss) hat der 30-Jährige vom SC Hammer die Führungsrolle in der deutschen Speed-Mannschaft angenommen. „Wir sind zwar um die Hälfte reduziert, aber das heißt nicht, dass wir nichts können“, sagte Ferstl. Nicht nur er sorgte dafür, dass auch die diesjährige Kitzbühel-Abfahrt dem Deutschen Skiverband in guter Erinnerung bleiben wird und die Trainer zudem optimistisch auf den Super-G am Sonntag blicken können. Dominik Schwaiger vom WSV Königssee landete trotz eines schweren Fehlers auf dem 17. Platz – ebenfalls sein bestes Abfahrtsresultat, und mit dem Allgäuer Manuel Schmid als 28. holte auch der dritte DSV-Starter Weltcup-Punkte.

Die dezimierte Mannschaft macht derzeit das Beste aus ihrer Situation. „Den Strudel“, sagte Ferstl, in den die Techniker um Felix Neureuther und Stefan Luitz nach ein paar Rückschlägen zuletzt gerieten, „haben wir gut umgangen und kämpfen weiter, dass wir da nicht reinkommen.“ Während sich Ferstl auch schon in den vergangenen Jahren in den Top Ten bewegt hatte, wenngleich nicht so oft wie in dieser Saison, machten Schwaiger und Schmid einen Sprung. Beide arbeiteten sich zuletzt in die Gruppe der besten 30 vor und dürfen nun auf einen weiteren Höhepunkt hoffen. Vermutlich dürfen sie in einer Woche den erfahreneren Kollegen Ferstl zur Ski-WM nach Are begleiten.

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