Moskau – Moskau, so sagt man, ist immer eine Reise wert. So gesehen könnte man die Basketballer des FC Bayern glatt beneiden. Schon letzte Woche schlenderten Danilo Barthel und Kollegen über den Roten Platz. Gestern war man nun also wieder da. Und es war ein Besuch, an dem die Münchner mehr Spaß hatten. Denn gut eine Woche nach der knappen Niederlage bei ZSKA Moskau stimmte auch der sportliche Ertrag des Russland-Ausflugs. Bei Lieblingsgegner Khimki Moskau (6 Spiele/6 Siege) feierten die Bayern einen 71:60 (35:40)-Sieg. Erfolgserlebnis Nummer zehn in der Euroleague-Saison. Man bleibt weiter voll im Rennen um die Plätze im Viertelfinale.
Ausnahme-Könner Derrick Williams rieb sich entsprechend zufrieden die Hände. „Wie wir zurückgekommen sind, das war sehr stark“, sagte er, „wenn wir so spielen, dann werden wir schwer zu schlagen sein.“
Dabei hatte Bayern-Trainer Dejan Radonjic im Vorfeld nichts Gutes geahnt. „Gefährlicher Zeitpunkt“, mahnte der Montenegriner. Denn: Gegner Khimki hatte nach bis dato enttäuschender Saison den Trainer gewechselt. Für den glücklosen Griechen Georgios Bartzokas übernahm die Litauische Legende Rimas Kurtinaitis. In vergleichbarer Situation hatten die Münchner in der Euroleague-Vorrunde schon Maccabi Tel Aviv getroffen und waren fürchterlich untergegangen.
Und die Bayern machten zunächst ganz den Eindruck, als wollten sie diese Geschichte unbedingt wiederholen. Der deutsche Meister startete schläfrig und unkonzentriert. Vorne sammelte man außer fünf leichten Ballverlusten nicht viel. Hinten sah man artig zu, wie Khimki munter angetrieben vom serbischen Regisseur Stefan Markovic schwungvoll in Richtung Korb zog. Mit dem 10:28 nach den ersten zehn Minuten waren die Bayern noch ganz gut bedient,
Die Erfahrung der letzten Monate zeigt: Wenn in solchen Momenten etwas helfen kann, dann ist das Derrick Williams. Der US-Amerikaner schubste mal schnell drei Dreier ins Schwarze und lieferte das ein oder andere Statement am Ring. 16 seiner 20 Punkte hatte der 28-Jährige schon zur Pause eingesammelt. Es lag vor allem an ihm, dass die Bayern schon zur Pause wieder im Spiel waren.
Und plötzlich fiel es noch nicht einmal ins Gewicht, dass den Münchnern Stammregisseur Stefan Jovic mit lädiertem Knöchel abhanden kam. Braydon Hobbs sprang ein, als hätte er nie anderes getan. Schon nach sechs Einsatzminuten hatte er vier Assists auf dem Konto. Das kann sich sehen lassen.
Und so schnell können sich im Basketball die Geschicke wenden. Ganz plötzlich waren die Bayern gegen die mehr und mehr auseinanderfallenden Gastgeber ganz klar Chef in der schmucken Mytishchi-Arena und fuhren einen unerwartet souveränen Sieg ein. Besonders schön für Urgestein Nihad Djedovic, der sein 100. Spiel und den 1000 Punkt in der Königsklasse mit einem Erfolgserlebnis krönen konnte.