Knabbereien für die Jäger

von Redaktion

Der FC Bayern muss im Fernduell mit den Dortmundern diesmal nachlegen

VON MARC BEYER

München – Im Grunde geht es immer darum, dem Konkurrenten zeitlich einen Schritt voraus zu sein. Wer früher spielt, hat schneller drei Punkte, das war vor einer Woche die Logik des FC Bayern, als er in Hoffenheim in die Rückrunde startete. Mit dem 3:1 wollte man den Dortmundern, für eine Nacht nur noch um drei Zähler enteilt, ein bisschen Druck machen, damit sie mit einem hübschen, kleinen Rucksack ins Spiel bei RB Leipzig gehen. So haben es die Bayern ganz freimütig erzählt.

Nun, gesiegt haben sie tatsächlich, der BVB aber auch, weswegen die Konstellation unverändert ist. Dieses Wochenende ist es der Tabellenführer, der vorlegt. Samstag um 15.30 Uhr, Heimspiel gegen Hannover. Das kann man als Spitzenteam schon mal gewinnen, und dann wären es für eine Nacht plötzlich neun Punkte, weil die Bayern erst am Sonntag um 15.30 Uhr gegen den VfB Stuttgart, wie Hannover akut abstiegsgefährdet, antreten. Nach der eigenen Logik müsste nun immenser Druck auf Münchner Schultern lasten.

Niko Kovac kann ein Grinsen nicht unterdrücken, als er am Freitag auf diese Konstellation angesprochen wird. Als Trainer kann man in so einem Moment schlecht sagen, der Spieltermin habe keine Bedeutung, wenn man eine Woche zuvor noch das Gegenteil behauptet hat. Weil er ein ehrlicher Mensch ist, verheimlicht er auch gar nicht erst, dass ihm der Samstag schon ziemlich lieb ist und der Freitag noch ein bisschen lieber. Als Zweitplatzierter und somit erster Jäger gehe es „Woche für Woche“ darum, „Punkte abzuknabbern“, und wenn der Gegner nicht schwächelt, „dann wenigstens Tore“. Die Bilanz des vergangenen Wochenendes war also irgendwie doch lohnend: Ein Törchen hat man auf den BVB wettgemacht.

Man muss nicht alles glauben, was im Laufe einer Saison gesagt wird, aber in diesem Punkt sind die Bayern und besonders ihr Trainer vertrauenswürdig. Als Spitzenteam haben sie oft genug erlebt, wie andere hinterher hechelten und sich mit allen Mitteln Mut zuzusprechen versuchten. Das ist immer dann frustrierend, wenn der Primus sich partout keine Blöße gibt. Die Konkurrenz klang dann so wie in diesen Tagen Manuel Neuer, der darauf hinwies, manchmal sei es auch für die Borussia ganz schön eng gewesen: „Dass Dortmund nicht unschlagbar ist, weiß man.“ Oder wie Joshua Kimmich, der sich gegen Stuttgart nicht nur einen Sieg wünscht, sondern ausdrücklich auf „eine Art und Weise, bei der man sagen kann, das ist der FC Bayern.“

Ob man sich im Ruhrgebiet davon beeindrucken lässt, ist eine andere Frage, aber eigentlich geht es darum auch gar nicht. Ansagen und Kraftmeierei gehören zum Geschäft. Die Saison ist noch lang, und irgendwas muss man auf die immergleichen Fragen ja erwidern. Im Kern gilt stets die Devise, einfach nur „von Spiel zu Spiel“ zu schauen. Es ist gleichzeitig die banalste Floskel des Leistungssports und die tiefste Weisheit.

Gegen den VfB sind die Bayern insofern gewarnt, als sie in der vergangenen Saison am letzten Spieltag daheim 1:4 unterlagen. „Eine gute Mannschaft, die momentan vielleicht nicht den besten Fußball zeigt“, findet Kovac. Fehlen wird ihm neben Arjen Robben und Franck Ribery wohl auch der erkältete Jerome Boateng, aber dieser Ausfall wird nur kurzfristig sein. Nächste Woche in Leverkusen dürfte der Verteidiger wieder gesund sein. Die Dortmunder spielen dann übrigens zeitgleich in Frankfurt.

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