Garmisch-Partenkirchen – Alles neu an der Kandahar: Ein entschärfter Sprung, ein veränderter Zeitplan, insgesamt ein optimaler Trainingstag am Freitag in Garmisch-Partenkirchen. Hatten die neuen Sprünge zum Auftakt der deutschen Heimrennen noch für mächtig Diskussionsstoff gesorgt, so zufrieden blickten gestern Mittag nach dem finalen Training alle drein: Verantwortliche und Rennläuferinnen. Den Schanzentisch im Tröglhang hatte die Pistencrew abgetragen. Scherzhaft tauften die Offiziellen vor Ort den übrig gebliebenen kleinen Schnapper „no jump“, also kein Sprung. So hatte Rennleiterin Steffi Wild vom lokalen Organisationskomitee das Resultat der Umbauarbeiten bei der Mannschaftsführersitzung am Abend zuvor bezeichnet.
Alles gut also. Damit ging es nun auch um Zeiten im zweiten Training. Die Österreicherinnen gaben den Ton an. Fünf unter den ersten Sechs – wiederbelebte rot-weiß-rote Abfahrtsmacht. „Echt cool“, sagt Ramona Siebenhofer, die als Dritte ankam. „Wir haben selber alle geschaut und konnten es nicht glauben.“
Aus deutscher Sicht fehlte überraschend Viktoria Rebensburg. Gut, die Kreutherin hatte am Tag zuvor schon angedeutet, dass ein Start in der Abfahrt nicht zu 100 Prozent fix sei bei ihr, sie aber auf jeden Fall den Super-G angreifen werde. Rebensburg verabschiedete sich in jedem Fall ins benachbarte Seefeld nach Tirol, um Riesenslalom in Hinblick auf die WM zu trainieren.
In ihrer Abwesenheit fuhr Michaela Wenig aus Lenggries als beste Deutsche auf Rang elf. Stark. Ganz zufrieden war sie aber noch nicht. „Die Hölle habe ich nicht optimal erwischt, bis zu diesem Abschnitt lief es aber ganz gut.“ Sie spekuliert durchaus auf eine Top-15-Platzierung.
Kira Weidle (Starnberg) haderte als 35. mit ihrer Vorstellung im oberen Teil. „Ich habe in der Analyse gesehen, dass ich da brutal Zeit verliere“, resümiert sie. „Das müssen wir uns noch einmal anschauen.“ Ein paar Stellschrauben gebe es noch bei Ski und Wachs. „Unten passt es zeitlich, wir müssen jetzt also noch die Rosinen herauspicken und alles zusammensetzen.“
Am Samstag aber wird sowieso erst einmal der Super-G über die Bühne gehen. Zu diesem Programmwechsel haben sich die Verantwortlichen am Freitagvormittag durchgerungen. Grundlage für die Entscheidung war der Wetterbericht, laut dem eine Abfahrt vom Original-Start eher am Sonntag möglich erscheint. Die Startzeiten bleiben vorerst wie geplant: Am Samstag um 10 Uhr (zwischen dem Kitzbühel-Slalom), am Sonntag um 11.30 Uhr. Top-Abfahrerin Nicole Schmidhofer hat dazu eine klare Meinung: „Was mir fahr’n is wurscht, Hauptsache mir fahr’n.“ CHRISTIAN FELLNER