München – Man kann Tore im Eishockey manchmal auch hören. Wenn der Puck an den Innenpfosten knallt, plingt das auf besondere Art. Und je nach Wucht des Schusses bekommt ein Treffer einen satten Sound.
Yannic Seidenberg, Verteidiger beim EHC München, bescherte den 3940 Zuchauern am Freitagabend in der Olympia-Eishalle das besondere Hörerlebnis. Sein 2:0: eine Direktabnahme von der blauen Linie, ein Musterschlagschuss. Der Magentasport-Kommentator brüllte „Top Ten“, dass es aus seiner Kabine heraushallte. Seidenbergs Tor wird also wohl in den Highlight-Zusammenfassungen landen.
Besagtes 2:0 fiel in der 14. Minute – so früh im Spiel und dennoch eine Art Schlusspunkt. Das Tor untermauerte eine Überlegenheit von Meister München, an der Iserlohn nicht würde rütteln können. „Die Iserlohner Stürmer haben starke Moves“, lobte Seidenberg zwar – doch sonderlich beseelt wirkten die Sauerländer nicht, das diesmal auch zu zeigen. Das Endergebnis: 5:1 (2:0, 2:0, 1:1) für den EHC München. Was das Vergnügen eines leichten Sieges trübte, war eine Verletzung von Torhüter Kevin Reich nach seinem Grätschschritt, mit dem er Iserlohns Ehrentor verhindern wollte. Er fasst sich an den linken Oberschenkel und musste vom Eis geführt werden.
Zu Saisonbeginn hatte Iserlohn den Münchnern am gefürchteten Seilersee noch ein 3:8 eingeschenkt, es war die höchste Münchner Saisonniederlage. Damals hatte Iserlohn noch einen anderen Nummer-eins-Torhüter, einen anderen Trainer und einen bessere Ruf: Die Roosters wurden als potenzieller Eindringling ins obere Tabellendrittel gehandelt. Die Realität ein paar Monate später: Trainer- und Torwartwechsel, Sturmtalent Lean Bergmann hat seinen Wechsel nach Mannheim zur nächsten Saison bekannt gegeben, Topscorer Jon Matsumoto, der Playoff-Held des Meisters München 2018, wird nach Ende der Hauptrunde in die Schweiz wechseln und dort die Saison zu Ende spielen. Sein treffsicherer Sturmpartner Anthony Camara soll für 2019/20 mit Berlin einig sein.
Jedenfalls: Iserlohn, auf den vorletzten Platz abgerutscht, hatte nicht viel zu bestellen, Münchens Stadionsprecher Stefan Schneider konnte – in Anspielung auf den Namen des Gegners, Roosters – seinen vorbereiteten Scherz anbringen: „Überfall im Hühnerstall.“ Das sagte er nach dem Doppelschlag von Matt Stajan zum 3:0 und 4:0. Das erste Tor des Ex-NHL-Spielers war ein Abstauber nach Solo von Trevor Parkes, das zweite machte er im ungestörten Alleingang aufs Iserlohner Tor.
Ja, die Partie entwickelte sich zunehmend in Richtung Schaulaufen, Körpereinsatz des Gastteams fand nicht mehr statt. Vor allem Trevor Parkes zog gegen den Iserlohner Hühnerhaufen raumgreifend seine Kreise, sein Zuspiel durfte der junge Maximilian Daubner zum 5:0 vollenden (48.). Die Fans widmeten sich in ihren Gesängen weniger dem Spielgeschehen vor ihrer Kurve als vielmehr dem Champions-League-Endspiel in Göteborg übernächste Woche.
Kevin Schmidt schoss das einzige Tor für Iserlohn, es war ein sehenswertes (50.). Für den dabei verletzten Kevin Reich brachte dann Danny Aus den Birken die Partie unaufgeregt zu Ende. Weiter geht es für den EHC mit einem Heimspiel: am Sonntag (17 Uhr) gegen die Grizzlys Wolfsburg.