Es ist noch nicht lange her, da dürfte sich die Vorfreude bei den Verantwortlichen des Deutschen Skiverbandes auf die alpine Ski-WM in Are in Grenzen gehalten haben. Gerade hatte es den nächsten Rückschlag gegeben, die Aussichten besser abzuschneiden als bei den letzten – medaillenlosen – Titelkämpfen in Schweden 2007, waren nicht besonders groß. Nach Thomas Dreßen, Kitzbühel-Sieger 2018, Andreas Sander und Marina Wallner, bis dahin besten Slalomfahrerin, erwischte es auch noch Stefan Luitz, nicht so schlimm wie den kreuzbandlädierten Rest, aber für die WM könnte es knapp werden. Und dann war da auch noch die Slalom-Krise des Felix Neureuther. Allein Viktoria Rebensburg schien aufgrund ihrer Ergebnisse im Riesenslalom mit Medaillenhoffnungen in den Norden reisen zu können.
Gut zwei Wochen später sieht es fast besser als 2017 in St. Moritz. Damals gab es bis zur WM zwar einen Podiumsplatz mehr, aber eben auch nur einen Sieg, und den holte Linus Straßer in einem Parallelslalom, einer Disziplin, die nicht zum WM-Programm gehört.
Der Triumph von Josef Ferstl in Kitzbühel und der dritte Platz von Kira Weidle in der Abfahrt von Garmisch Partenkirchen sind für den arg gebeutelten DSV eine Befreiung im richtigen Moment. Ebenfalls der zwölfte Platz von Dominik Schwaiger im Super-G, der angesichts des Sieges des Teamkollegen ein wenig in Vergessenheit geriet aber ein kleines Versprechen für die Zukunft ist. Hinter Dreßen, Sander und Ferstl ist nicht Schluss, und das ist ein gutes Zeichen.
Ferstl und Weidle gehören plötzlich zum Kreis der Kandidaten auf Edelmetall. Die Deutschen sind trotz der Ausfälle in den schnellen Disziplinen präsent – und es besteht die Hoffnungen, dass in der zweiten Woche nicht nur Rebensburg aussichtsreich in ihr Rennen geht. Noch ist Felix Neureuther ein Stück entfernt vom Podest und seiner Bestform, doch Vater Christian hat am Samstag nach dem Slalom in Kitzbühel wieder das „Leuchten in den Augen“ des Sohnes gesehen.
Neureuther hatte die deutsche Bilanz bei der WM vor zwei Jahren gerettet, mit Slalom-Bronze am letzten Tag. Es wäre eine riesige Überraschung, würde er es in Are auf das Podest schaffen. Aber seit dem Wochenende ist dies so wenig ausgeschlossen wie eine Medaille für die deutschen Männer in den schnellen Disziplinen. Es wäre die erste seit 2001.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net