Blutbehälter mit Hammer zerschlagen

von Redaktion

Chinas dreifacher Schwimm-Olympiasieger Sun Yang düpiert die Dopingkontrolleure

Berlin – Sun Yang ist so etwas wie der Bad Boy in der Schwimmszene. Er „pinkelt lila“, sagte einmal der französische Olympiasieger Camille Lacourt über den Dopingsünder aus China, der für Australiens Schwimmstar Mack Horton ganz klar ein „Betrüger“ ist.

Jetzt bekommen die Sun-Kritiker neue Nahrung. Nach einem Bericht der englischen „Sunday Times“ soll Sun bei einem unangemeldeten Test im September 2018 in seinem Haus in der chinesischen Provinz Zhejiang veranlasst haben, den Behälter mit seinem Blut mit einem Hammer zu zerstören.

Sun und seine Gefolgsleute, darunter seine Mutter Ming Yang, hätten bei der Ansicht der Ausweispapiere der Kontrolleure Zweifel an deren Authentizität bekommen, berichtete die „Times“. Daraufhin soll es zur Zerstörung des Testbehälters durch einen Sicherheitsmann von Sun gekommen sein. Die Kontrolleure dokumentierten den Vorfall.

Im Januar war es deswegen zu einer Anhörung gekommen, bei der die Dopingkommission des Weltschwimmverbandes FINA laut „Times“ der Argumentation Suns gefolgt sei und keine Maßnahmen verhängt habe. Es sei nicht mehr möglich, den Fall im Nachgang lückenlos zu rekonstruieren, so die FINA. Die Wahrheit werde man wohl „nie erfahren“.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) soll den FINA-Bericht als „unglaublich und inakzeptabel“ bezeichnet haben und eine Klärung des Falls vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS anstreben. Die WADA bestätigte auf Anfrage: „Wir kennen den Fall und werden ihn weiterverfolgen.“

Sollte sich der CAS tatsächlich damit beschäftigen, droht Sun als Wiederholungstäter eine lange Sperre. Die WADA steht derzeit unter großem Druck, weil sie die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA trotz einer Fristverletzung mit einer Ermahnung davonkommen ließ. Deshalb dürfte der Fall Sun der WADA zur Profilierung und Ablenkung von der Russland-Causa gerade recht kommen.

Für die FINA ist der Fall aber schon jetzt ein weiterer Imageverlust. Bereits in der Vergangenheit hat sich der Weltverband in Dopingaffären wenig konsequent gezeigt – unter anderem gegenüber Sun. Nach einer positiven Dopingprobe 2014 (Trimetazidin) war der neunmalige Weltmeister nur zu einer Sperre von drei Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde zudem erst verspätet publik.

Bei der WM 2015 in Kasan kam Sun außerdem straffrei davon, obwohl er eine brasilianische Schwimmerin im Aufwärmbecken attackiert haben soll. Anschließend verzichtete er als Titelfavorit kurzfristig auf einen Start im 1500-m-Finale. Als Grund gab er „Probleme mit dem Herzen“ an.

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