Patrick Hager: „Es war keine Absicht“

von Redaktion

Münchner bezieht Stellung zu seinem Kniecheck, der die DEL in Aufregung versetzte

VON GÜNTER KLEIN

München – Das Klischee besagt: Eishockeyspieler verlieren Zähne.

Bei Patrick Hager stimmt das. „Unten sind vier weg“, sagt der Münchner Nationalspieler. Langzeitschaden aus Begegnungen mit Puck oder gegnerischem Schläger.

Am Sonntag, beim 3:1 gegen die Grizzlys Wolfsburg in der DEL, hat Hager wieder einen Einschlag verspüren müssen. Scheibe links vom Mundwinkel. „Sternförmiger Cut“, wusste er gleich, man entwickelt ein Gespür für so etwas. Zur Routine gehört auch, „dass ich mit der Zunge in den Mund fahre, um zu überprüfen, ob die Zähne noch da sind“. Waren sie. Ein normaler Betriebsunfall also, ein paar Minuten später kehrte Hager mit vernähter Wunde aufs Eis zurück. „Das ging ruckzuck.“

Diesmal also war Patrick Hager (leicht) Geschädigter. Anders eine Woche zuvor. Beim Münchner Spiel in Straubing beging er ein Foul an Fredrik Eriksson, dem besten Verteidiger der Tigers. Der Schwede wird vier bis sechs Wochen ausfallen. Für seinen Kniecheck bekam Hager eine Spieldauerdisziplinarstrafe (nebst den obligatorischen fünf Minuten), automatisch wird das Vergehen dann vom Disziplinarausschuss der DEL unter Vorsitz des früheren Eishockeyprofis Tino Boos begutachtet. Boos steht in der Öffentlichkeit wegen seiner Linie, die eher die Tat rechtfertigt, als dass sie sie verurteilen würde, in der Kritik. Er stellte das Verfahren gegen Hager ein. Wieder ein DEL-Aufregerthema.

Hubert Stahl, Gesellschafter bei den Straubing Tigers, schrieb einen drei Seiten langen Brief an die DEL, die Entscheidung im Fall Hager habe er „voller Entsetzen“ vernommen, er hält sie für „nicht nachvollziehbar“ – auch unter diesem Aspekt: „Ein fast identischer Fall ereignete sich am 13. Spieltag . . . in der Eis-Arena Wolfsburg wurde Gerrit Fauser . . . ebenfalls von Patrick Hager mit einem gleichartigen Kniecheck von den Beinen geholt. Somit ist Herr Hager ein Wiederholungstäter, der zweimal in der Saison 2018/19 gezielt gegnerische Spieler durch einen Kniecheck in die Kabine beförderte.“

Was sagt Hager zum Schreiben aus Straubing? Er will nicht kommentieren, was „auf Gesellschafterebene“ geschieht. Er könne nur schildern, wie es sich auf dem Eis darstelle. „Eishockey ist heute viel schneller als vor zehn Jahren“, da sei es möglich, dass man manchmal den Sekundenbruchteil zu spät komme. Zum Fall Eriksson: „Ich habe mit Freddy zwei Jahre in Köln gespielt und ihn gleich am Tag danach angeschrieben und mich entschuldigt. Er hat das akzeptiert.“ Wer ihm Absicht unterstelle, „hat wenig Ahnung von diesem Sport“. Und dass keine Sperre gefolgt sei, untermauere seine Eigenwahrnehmung: „Es gab auch schon Sachen, für die ich gesperrt wurde.“ Etwa bei der WM 2017 für ein „Slew-footing“ (dem Gegner die Beine gefährlich wegziehen) gegen Russland. Ein selten geahndetes, aber gefährliches Foul.

Jedenfalls: Mit 78 Strafminuten führt Hager die EHC-Sünderliste an, zwei der drei Münchner Spieldauerdisziplinarstrafen diese Saison gehen auf sein Konto – obwohl er in 15 der 43 Spiele fehlte. Fakten.

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