Hannover – Geschenke zum Einstand hatte Thomas Doll nicht mitgebracht, er musste ja viel zu schnell seine Koffer packen auf dem Weg nach Hannover. „Den Palinka kann ich Horst Heldt später noch mal aus Budapest mitbringen“, scherzte Doll dann bei seiner Vorstellung als neuer 96-Trainer und empfahl, „Palinka“ doch mal zu „googeln“. Ergebnis: Es ist ein Obstbrand.
Spätestens am 18. Mai, nach dem letzten Spieltag, würden sich Doll und Manager Heldt nach dem erhofften Klassenerhalt dann wohl nur zu gerne ein paar Gläser Palinka genehmigen. Den Sturz in die Zweitklassigkeit beim Tabellenvorletzten noch zu verhindern, ist jedenfalls Dolls Auftrag als Nachfolger des am Sonntag freigestellten Andre Breitenreiter.
Doll wolle nun so schnell wie möglich eine „Aufbruchstimmung erzeugen“, sagte der 52-Jährige, der zuletzt zwischen Ende 2013 und August 2018 den ungarischen Erstligisten Ferencvaros Budapest trainierte. „Nicht mit Parolen, sondern mit Arbeit und Zuversicht“ soll die Befreiung aus der Krise nach zuletzt acht Spielen ohne Sieg gelingen. Gestern leitete der Ex-Profi dann mit vollem Elan erstmals das Training. „Ich bin bereit. Und ich weiß, was ich kann“, sagte Doll vor seinem Debüt gegen RB Leipzig am Freitag.
Schon Anfang der vergangenen Woche hatte sich Doll mit Heldt getroffen, da steuerte Breitenreiter gerade auf sein Endspiel in Dortmund (1:5) zu, es folgte noch ein Gespräch, ehe man sich Sonntag auf einen Vertrag bis 2020 für die 1. und 2. Liga einigte.
„Ich weiß natürlich, in welcher prekären Situation wir uns befinden“, sagte Doll. Er werde nun versuchen, dass bei seinen Spieler „wieder die Brust rauskommt“. Wer „zu viele Rucksäcke mit sich rumschleppt“, dem fehle eben „die Leichtigkeit.“
Dass Doll Krise kann, hat er schon bewiesen. Vor 14 Jahren rettete der Mecklenburger den Hamburger SV vor dem Abstieg und führte die Hanseaten später sogar in die Champions League. 2007 verhinderte er den Gang von Borussia Dortmund in die Zweitklassigkeit, stand 2008 mit dem BVB im DFB-Pokalfinale – trat dann aber wegen einer schwachen Liga-Bilanz zurück. Sein Nachfolger in Dortmund wurde ein gewisser Jürgen Klopp. sid