Am Ende hat Sportchef Horst Hüttel auch mit besten Argumenten nichts mehr ändern können. Und so ist es nun also Fakt, dass mit diesem Winter eine Ära zu Ende geht. Werner Schuster will nach elf Jahren im Amt nicht mehr Bundestrainer der Deutschen Skispringer sein. Keine Frage: Für den Deutschen Skiverband (DSV) ist das ein schwerer Schlag.
Was der Verband da verliert, das ist immerhin der Architekt der stattlichen Erfolge der vergangenen Jahre. Eine größere Veränderung kann eine Abteilung eigentlich kaum erleben. Und wie sensibel das System Skispringen auf Veränderungen reagieren kann, hat sogar Schuster selbst immer wieder erleben müssen. So wie in diesem Winter, in dem in Richard Freitag und Andreas Wellinger zwei feste Größen in die Dauerkrise flogen.
Und doch muss dem DSV vor der Zeit nach dem 30. April nicht bange sein. Denn Schusters Leistung in deutschen Diensten bestand ja nicht nur darin, Springer wie Severin Freund, Wellinger oder zuletzt Stephan Leyhe in die absolute Weltspitze zu führen. Vor allem hat der 49-Jährige in seiner Ära mit Sachverstand und großem Gespür aus den Ruinen von 2008 ein florierendes System geformt, in dem Talente entdeckt und mit modernster Methodik bis hin zur Weltcupreife geformt werden. Produkt dieses Systems ist eine junge Mannschaft, die durchaus noch einige Winter den Ton in der Weltspitze mit angeben kann. Hinzu kommen positive Signale aus den Nachwuchszentren wie der Berchtesgadener Christopherusschule – weitere Talente stehen auf dem Sprung nach oben.
Und das ist ein System, das nicht (mehr) in direkter Abhängigkeit zu seinem Baumeister steht. Die Herausforderung wird sein, einen Trainer zu finden, der es nutzen und behutsam weiterentwickeln kann. Da liegt es natürlich nahe, an Stefan Horngacher zu denken. Schusters Landsmann kennt dessen Ideen aus den gemeinsamen Jahren wie kein Zweiter. Er hat sie zuletzt in Polen mit bemerkenswertem Erfolg zu seinem eigenen Weg weiter entwickelt – Kamil Stoch, Piotr Zyla oder Dawid Kubacki lassen grüßen.
Die Entscheidung liegt letztlich in den Händen von Horst Hüttel. Das hatte sich 2008 ja schon einmal bewährt: Seinerzeit holte der selbst frisch installierte Hüttel Werner Schuster ins Amt.
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