München – Sekunden vor der Schlusssirene gab es für die Basketballer des FC Bayern noch einen Moment des Zitterns. Doch Vladimir Lucic schnappte sich den Ball und wischte auch die letzten Zweifel beiseite. Der Serbe trat damit eine Welle der Begeisterung los, die durch den Audi Dome schwappte. Und dabei natürlich auch den Präsidenten erfasste.
„Ich bin unheimlich stolz darauf, wie sich die Mannschaft das alles erarbeitet hat“, schwärmte Uli Hoeneß mit Blick auf das 90:86 seiner Korbjäger nach zweimaliger Verlängerung gegen Euroleague-Spitzenreiter Fenerbahce Istanbul, „Die ganze Abteilung ist ein Traum.“ Und auch sein Projektleiter Marko Pesic war restlos begeistert. „Wir haben zum ersten Mal seit dem Sieg gegen Real Madrid 2013/14 einen der ganz Großen geschlagen“, sagte er, „das ist für den Verein ein historischer Abend.“
Ausgerechnet im weltweit ausgestrahlten „Topspiel der Woche“, hatten seine Bayern deutlich wie nie ihre Ansprüche angemeldet, schon bald selbst ein Schwergewicht des europäischen Basketballs zu werden. Genau das hatten die Verantwortlichen ja im Vorfeld dieser Spielzeit als mittelfristiges Ziel formuliert.
Doch die Bayern scheinen auf dem besten Weg, sich selbst zu überholen. Wettbewerbsfähig sein und wenn irgendwie möglich die elf Siege wiederholen, die Bamberg im Vorjahr als bislang beste deutsche Mannschaft einspielte – das waren Pesics europäische Ziele für diesen Winter gewesen. Beides haben die Münchner schon jetzt erreicht. „Alles was jetzt noch kommt“, sagte der Geschäftsführer, „ist Zugabe.“
Doch natürlich liebäugeln die Bayern längst mit mehr. Das Restprogramm hat es zwar in sich, in sechs der neun verbleibenden Hauptrunden-Partien muss das Team von Trainer Dejan Radonjic auswärts ran. Doch Tatsache ist: Die Bayern sind voll im Geschäft im Rennen um einen Platz in den Playoffs.
Wobei das ein Wort ist, dem die meisten Bayern nach ihrem Coup gegen Fenerbahce in einem, fest in türkischer Hand befindlichen, Audi Dome lieber aus dem Weg gehen wollten. Lucic benutzte es. „Wenn man unser Restprogramm anschaut, dann war es fast klar, dass wir auch für eine Überraschung gegen eine große Mannschaft sorgen müssen“, sagte er.
Derrick Williams sah es ähnlich. „Playoff-Teams gewinnen solche Spiele“, sagte der Münchner Transfer-Hauptgewinn des letzten Sommers, der mit seinen 18 Punkten nach Stefan Jovic (19) wieder einer der treffsichersten Münchner war,
Die interessante Frage wird nun tatsächlich sein: Was macht dieses Erfolgserlebnis aus dem Münchner Team. Wird es die Bayern-Profis durch die nächsten Aufgaben tragen? Oder kann der Coup gegen den Champion von 2017 auch manch einem Spieler den Kopf verdrehen? „Das wird interessant“, fand Marko Pesic, „auch das ist für uns ein Lernprozess.“
Williams indes riet den Kollegen, der bisherigen Linie treu zu bleiben. „Es tut nicht gut, zu weit zu denken“, sagte er, „du fährst am besten, wenn du von Spiel zu Spiel schaust.“ Und bereits das nächste hat es in sich. Am kommenden Freitag müssen die Münchner beim Tabellennachbarn und direkten Playoffrivalen Baskonia Vitoria ran – wieder einmal ein Schlüsselspiel.
Doch die Bayern wollten noch nicht einmal soweit denken. Kein Wunder, zuvor haben sie noch eine Aufgabe in der Bundesliga vor sich. Schon an diesem Samstag (20.30 Uhr), ganze zwei Tage nach der Schwerstarbeit gegen Istanbul, tritt der Tabellen-15. Science City Jena bei den noch ungeschlagenen Münchnern an.