Garmisch-Partenkirchen – Nominierungen für Weltmeisterschaften haben im Skisport oft für Kontroversen gesorgt. Früher zierte sich der Deutsche Skiverband, ein wenig großzügiger zu sein, Startplätze auszureizen. Die Kriterien sind ja seit schier ewigen Zeiten in Stein gemeißelt: zweimal Top-15 oder einmal Top-8. Derlei Ergebnisse garantieren ein Ticket für die Großereignisse. Haben im alpinen Speedbereich in dieser Saison drei Deutsche erfüllt: Josef Ferstl als Kitzbühel-Champion natürlich, aber auch Thomas Dreßen und Andreas Sander. Dumm nur: Beide sind verletzt. Sander weilt beim Heimweltcup in Garmisch-Partenkirchen als Zuschauer an der Strecke – samt Familie. Dreßen hat nach der Knie-Operation nun gerade eine Schulter-OP hinter sich.
Bricht Ferstl Sonntagmittag also alleine in Richtung Schweden auf? Keinesfalls. Der DSV nominierte ein Trio. Dominik Schwaiger (Königssee) und Manuel Schmid (Fischen) begleiten Ferstl, und das nicht nur als Unterhaltungsprogramm für den Streif-Sieger oder als Partner für eine schnelle Schafkopfrunde zwischendurch. Das ist keine Mitleidstour der Trainer. „Ich denke, wir zwei haben uns auch wirklich entwickelt“, sagt Schwaiger am Rande des zweiten Training gestern auf der Kandahar. Der 27-Jährige erfüllte in Kitzbühel zumindest die halbe Norm mit seinem zwölften Rang im Super-G. Schmid sammelte zuletzt konstant Weltcup-Punkte, hatte seinen Höhepunkt als 18. in Wengen. „Es ist schön, dass wir das Vertrauen bekommen“, sagt Schwaiger. Druck verspüre er aber keinen, weil der Verband die Kriterien ein wenig aufgeweicht hat. Und vielleicht klappt’s am Samstag beim Heimrennen (11.30 Uhr) ja sogar noch mit der Norm. Rang 13 war’s im Abschlusstraining. Das würde reichen. „Ich tät’s nehmen“, kommentiert er knapp und lacht.
Kollege Schmid lag am Freitag ein wenig weiter zurück. Rang 25 hätte für den Allgäuer aber immerhin für die Punkteränge gereicht. Das wär’ schon besser als im Vorjahr, als er offiziell auf der Kandahar debütierte. Schmid kämpft in diesen Tagen mit ganz anderen Problemen. Nach seinem Sturz im Super-G von Kitzbühel plagt ihn eine hartnäckige Prellung am Unterschenkel. Eine Spezialschiene ermöglicht es dem 25-Jährigen überhaupt erst, beim Heimweltcup zu starten. „Funktioniert bestens“, sagt er. „Die Schiene ist ziemlich weich, aber sie entlastet die geprellten und empfindlichen Stellen sehr gut.“
Schmid scheint im DSV-Team so etwas wie das Zünglein an der Waage zu sein. Wer ihn als Zimmerpartner hat, dem droht Himmel oder Hölle – oder beides. Einst teilte er das Schlafgemach mit Thomas Dreßen. Der gewann 2018 in Kitzbühel. Nun hat er Ferstl als Zimmerkollegen bekommen. Tja, und auch der holte sich die goldene Gams. „Aber“, sagt Schmid vorsichtig, „ich war zuvor auch mit Andi Sander im Zimmer, bis er in Bormio stürzte.“ Dreßen hatte es in Beaver Creek bereits erwischt. Kurios. Vielleicht bekommt er bald ein Einzelzimmer – und stürmt dann selbst nach vorne.
Fürs Heimrennen sind die drei Deutschen hochmotiviert. Schwaiger mag’s zwar lieber eisig und hofft, dass es am Samstag ein wenig kälter wird als beim frühlingshaften zweiten Training, Gas geben will er dennoch. Und bei Ferstl lief es nach dem Material-Experiment vom Donnerstag deutlich besser: Rang sieben war eine klare Steigerung. „Da ist schon einiges besser gelaufen“, urteilt er. Die Bestzeit legte der Österreicher Vincent Kriechmayr in den Schnee – sicher ein heißer Kandidat für den Sieg.