Eisenbichler fliegt aufs Podest

von Redaktion

Siegsdorfer Dritter beim vom Wind beeinträchtigten Skiflug-Weltcup in Oberstdorf

Oberstdorf – Noch-Bundestrainer Werner Schuster grinste nach dem unverhofften Podestcoup von Markus Eisenbichler breit, sein potenzieller Nachfolger Stefan Horngacher schimpfte nach der Niete in der Windlotterie wie ein Rohrspatz: In einem kuriosen ersten Weltcup-Skifliegen in Oberstdorf hat der deutsche Rekordhalter Eisenbichler als Dritter beim Sensationssieg des slowenischen Teenagers Timi Zajc geglänzt, Horngachers polnischer Musterschüler Kamil Stoch stürzte hingegen böse ab.

„Ich habe es noch nicht so richtig realisiert, weil es doch ein turbulenter Wettkampf war“, sagte Eisenbichler: „Dass es so ausgeht, ist toll. Skifliegen ist ohnehin ein Traum, gerade in Oberstdorf.“ Schuster meinte: „Ich habe gemerkt, dass sich bei Markus ein Schalter umgelegt hat.“ Einen Tag zuvor hatte der Österreicher seinen Abschied zum Saisonende erklärt; der Anfang vom Ende seiner Ära verlief am Freitag erfolgreich.

Schusters Landsmann Horngacher, dessen Vertrag in Polen ausläuft, gehört zum engsten Favoritenkreis auf den Bundestrainer-Posten. In Oberstdorf fühlte er sich aber durchaus ungerecht behandelt, weil die Jury die nach dem ersten Durchgang führenden Flieger um Spitzenreiter Stoch bei starkem Rückenwind von der Schanze schickte – das stellte das Ergebnis auf den Kopf.

Der 18 Jahre alte Zajc, Sechster zur Halbzeit, feierte somit in seinem ersten Skifliegen überhaupt vor dem Polen Dawid Kubacki (Fünfter nach Durchgang eins) und Eisenbichler seinen ersten Weltcupsieg. „Das ist wunderbar. Zum ersten Mal bin ich geflogen, zum ersten Mal habe ich gewonnen“, sagte der Youngster. Zajc flog auf 220,0 und 233,5 m, der Tourneezweite Eisenbichler (224,5+222,5 m) überzeugte mit zwei blitzsauberen Durchgängen. Stoch rutschte noch auf Platz fünf ab, sein Landsmann Piotr Zyla, der im ersten Durchgang mit 236,0 m die Tagesbestweite erzielt hatte, wurde Vierter.

Zweieinhalb Wochen vor Beginn der nordischen WM in Seefeld und Innsbruck (19. Februar bis 3. März) suchen die restlichen DSV-Adler weiter ihre Form. Der Tourneedritte Stephan Leyhe (198,5+211,0) belegte nach Windpech im ersten Durchgang und einem starken zweiten Versuch Rang elf. „Der zweite Flug war gut, der erste war eher ein Sprung als ein Flug“, sagte Leyhe. Olympiasieger Andreas Wellinger (209,0+210,5) kam auf Platz 13 und zeigte sich zufrieden: „Es kommt langsam, ich bin extrem knapp dran.“

Der Oberstdorfer Lokalmatador Karl Geiger (209,5+ 208,0) wurde 16., Richard Freitag, im Vorjahr bei der Flug-WM in Oberstdorf Dritter und 2013 vor dem Umbau letzter deutscher Weltcup-Sieger auf der Heini-Klopfer-Schanze, steckt weiter im Formtief und kam nur auf Platz 22 (203,5+205,5). sid

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