Prinz in der Hinterhand

von Redaktion

Mit Owusu gegen Osnabrück – der neue 1860-Stürmer ist aber zunächst als Joker eingeplant

VON ULI KELLNER

München – Wie sich die Zeiten ändern. Bekanntlich dreht sich die Welt des Fußballs schnell – und mit ihr die Sicht auf die Dinge. Ein schönes Beispiel dafür hat Daniel Bierofka am Freitag gegeben, als er vor dem Wiedersehen mit Osnabrück an das 2:2 im Hinspiel erinnerte. „Nur 2:2 hat man damals gesagt“, betonte er amüsiert und führte den Gedanken weiter aus: „Wenn wir heute dort 2:2 spielen würden, gegen den Tabellenführer – dann würden, glaube ich, alle jubeln.“

Da mag er recht haben, der Löwen-Trainer. Damals, am dritten Spieltag, war 1860 ein Aufsteiger mit Rückenwind. Der VfL dagegen wusste nicht so recht, wie er die beiden Siege zum Auftakt einordnen sollte. Schließlich hatte er die Saison zuvor gerade so über dem Abstiegsstrich beendet. Jetzt, nach 21 Runden, hat die Tabelle etwas mehr Aussagekraft: Osnabrück, seit dem 7. Spieltag ungeschlagen, freundet sich mit dem Gedanken an, die Favoriten auf den Aufstieg noch länger zu ärgern. 1860 dagegen ist zur traumfreien Zone verkommen.

Die Leichtigkeit des Sommers ist weg, ebenso der damals gefeierte Torjäger Adriano Grimaldi. Auch finanziell macht sich früher als erwartet das berühmte strukturelle Defizit bemerkbar – was in der Winterpause zu einer ziemlich aussagekräftigen Transferbilanz führte.

Drei Spieler sind gegangen, nur einer ist gekommen. Bei Grimaldi schien der Zwang, ein üppiges Gehalt einzusparen, größer gewesen zu sein als die Geduld, die an sich gute Verhandlungsposition auszunutzen (Vertrag bis 2021). Sehr viel mehr als eine bescheidene, sechsstellige Ablösesumme soll jedenfalls nicht hängen geblieben sein. Bei Simon Seferings (ausgeliehen an den VfR Garching) und Nicholas Helmbrecht (nach Memmingen) war der finanzielle Hintergrund zweitrangig, in beiden Fällen wurde eher den Wechselwünschen der Spieler entsprochen. Zum Kader hinzugestoßen ist lediglich: Prince Osei Owusu. Ein Leihspieler, bei dem der Name momentan noch besser klingt als die Zahlen, die sich hinter der Vita des Stürmers verbergen (noch keine Tore in der 3. und 2. Liga).

Bierofkas Bilanz zum Abschluss der Wintertransferperiode: „Mehr war nicht drin – auch vom Finanziellen her. Wir müssen momentan eher in die andere Richtung denken, dass wir den Kader abspecken. Von dem her hatten wir nicht die Mittel, um jetzt noch mehr tätig zu werden.“

Mit der Ausleihe des Bielefelders Owusu ist er dennoch zufrieden. „Ein guter netter, Junge“ sei der Deutsch-Ghanaer, sagt der Coach: „Einer, der auf die anderen zugeht.“ Und sportlich: Da muss sich Bierofka auf seine Helfer verlassen, die den 22-Jährigen zwei Tage länger im Training beobachten konnte. Was der angehende Fußballlehrer aber am Donnerstag gesehen hat, sei positiv gewesen: „Er stellt schon was dar von der Statur her. Auch wenn er einen Sprint anzieht, sehr schnell, sehr leichtfüßig.“ Was folgendes Urteil ergibt: „Es tut uns gut, dass er da ist.“

Trotzdem, so Bierofka, werde Owusu gegen Osnabrück zunächst auf der Bank Platz nehmen. Die Personallage hat sich entspannt seit dem 1:1 von Lotte: Quirin Moll ist wieder fit, auch Stefan Lex, für den es vor acht Tage nur zu einem Kurzeinsatz reichte. Genug Vorzeichen in jedem Fall, um eine positive Spielprognose zu stellen. Bierofka sagt: „Wir sind eine Mannschaft, die zu Hause nicht leicht zu schlagen ist, Wir wollen zeigen, dass wir gegen so eine Mannschaft bestehen können.“ Der Aufsteiger will dem Aufstiegsanwärter ein Bein stellen – klingt eigentlich ganz normal.

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