Göteborg – In der Champions Hockey League (CHL) wird um einen massiven Pokal gespielt – doch es gibt auch Medaillen. Sie waren der Trostpreis für die Spieler des EHC München. Mit Silberplaketten, die ihnen im Göteborger Scandinavium um den Hals gehängt wurden, endete ihre internationale Saison. Das Endspiel in der CHL, das größte Ereignis der Vereinsgeschichte, verloren sie gegen die gastgebenden Frölunda Indians mit 1:3 (0:1, 0:2, 1:0). Und wenn der Sieger schon den Federkopfschmuck in seinem Vereinswappen führt, muss man sagen: Ja, das war ein Häuptlings-Auftritt. Der EHC hingegen musste sich zeitweise wie am Marterpfahl vorkommen.
Prächtig war die Stimmung gewesen, als sich die Münchner Mannschaft traditionell mit einer Fußballrunde neben der Eisfläche einstimmte. Lautes Raunen ob geglückter Hochhalte-Kunststücke, befreiendes Gelächter, wenn die Kugel mal davonflog. So tritt ein Team auf, das die nachfolgende und eigentliche Aufgabe nicht fürchtet: das erste Endspiel, das sie in der Champions League erreicht hat.
Münchner Fans verspürten auch Hoffnung, als sie in der Frölunda-Aufstellung den Namen Viktor Ekbom entdeckten. Der Verteidiger hatte 2012/13 für den EHC gespielt, zu einer Zeit, als das Geld noch nicht so sprudelte und die Playoffs verpasst wurden. Ekbom trug mit hoher Fehlerquote zum damaligen Misslingen bei, Manager Christian Winkler bezeichnete die Nachlässigkeiten des Schweden prägnant als „Reifenplatzer“. Doch der Viktor Ekbom 2019 machte einen guten Eindruck, er war flott unterwegs auf den Schlittschuhen und tat viel für die Offensive.
In der CHL kennen sich die Mannschaften nicht so gut wie in den nationalen Ligen, man muss immer erst auf dem Eis abwarten, ob sich der Ruf eines Spielers und einer Mannschaft manifestiert. Die Münchner wussten, dass sie auf Ryan Lasch würden aufpassen müssen, sie waren vorbereitet auf den 32-jährigen Amerikaner, mussten dann aber doch staunen über die Klasse des Stürmers mit der fragilen Figur eines Schülers. Lasch hat es nie in die NHL geschafft, doch in Europa ist er zum Star geworden. Vieles bei den Göteborgern läuft über ihn, er ist Vorbereiter und Vollstrecker in einer Person. Er erzielte gestern Abend das 2:0 für Frölunda – ein Kunststück, wie er den Puck EHC-Tormann Danny Aus den Birken durch die Beine setzte.
Aus den Birken war aber keine Schuld zuzuweisen. Das Problem des EHC: Sein Unterzahl- war nicht gut genug für das Überzahlspiel der Indians. Das 1:0 (11.) durch Samuel Fagemo – Powerplaytreffer. Das 2:0 (25.) durch Lasch – Powerplaytreffer. Das 3:0 (35.) von Ponthus Westerholm – Powerplaytreffer. Da hatte Yannic Seidenberg nach einem Check gegen den Kopf von Rhett Rakhshani für zwei plus zwei Minuten auf die Strafbank gehen müssen (noch ein gnädiges Schiedsrichter-Urteil).
Der EHC hatte seine Momente, doch war im Agieren seiner Special Teams einfach wirkungsloser. Das 3:1 durch Yasin Ehliz (52.) war das einzige Tor, das aus den Überzahlspielen resultierte. Immerhin zwangen die Münchner ihren läuferisch besseren Gegner zu Strafzeiten und legten eine couragierte Schlussoffensive aufs Eis. Frölunda verwaltete sein 3:1 sicher. Die beste Mannschaft in diesem Wettbewerb – unbestritten.
Silber also für München, den ersten deutschen CHL-Finalisten. Anerkennung für das Gesamtkunstwerk 2018/19. Silber glänzt auch. Und Trevor Parkes wurde als wertvollster Spieler der CHL-Saison ausgezeichnet.