Nonsens à la FIS-Chef Kasper

Ein Herz für Diktaturen

von Redaktion

ARMIN GIBIS

Der Weltsport, speziell Olympia, hat bekanntlich seit längerem ein gewaltiges Imageproblem. Das liegt nicht am Sport an sich. Sondern an seinen hohen Funktionären. Diesen wird inzwischen so ziemlich jede Schurkerei zugetraut. Weswegen sich kaum noch – demokratisch regierte – Länder finden, die sich für die Olympischen Spiele, einst die globale Sportkultparty schlechthin, erwärmen können. Man könnte hier einwenden, dass das oft vernichtende Pauschal-Urteil über Sportfunktionären in manchen Fällen überzogen oder gar ungerecht ist. Nicht jeder ist ein Blatter, Samaranch, Diack oder Mutko. Andererseits sorgen die Vertreter des Sports immer wieder selbst dafür, dass ihnen nachgesagt wird, sie seien der verlängerte Arm dunkler Machenschaften. Ein besonders drastisches Beispiel lieferte hierfür zuletzt Gianfranco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS und Ehrenmitglied der IOC. Der Schweizer entdeckte – kein Scherz – sein Herz für Diktaturen.

Im Zusammenhang mit Sportgroßereignissen formulierte der Schweizer tatsächlich die These: „Vom Geschäftlichen her sage ich: Ich will nur noch in Diktaturen gehen, ich will mich nicht mit Umweltschützern herumstreiten.“ Und damit nicht genug: Diktaturen könnten „solche Veranstaltungen mit links durchführen, die müssen nicht das Volk befragen“. Man muss sicher kein Olympiagegner sein, um diesen Meinungsbeitrag als inakzeptablen Nonsens abzuqualifizieren.

Kasper scheint völlig zu verdrängen, dass sich der Sport, und da an erster Stelle Olympia, hehren Werten verpflichtet fühlt. Zu denen auch Völkerverständigung oder freiheitliches Bewusstsein zählen. Der 75-Jährige aber glaubt offenbar, den Sport komplett von der Moral abtrennen zu können. Sein Credo lautet: Solange die Austragung von Sportveranstaltungen und damit deren finanzieller Erfolg gesichert ist, kann man sich getrost auf zwielichtige, antidemokratische Partner einlassen.

Immerhin hat sich das IOC von Kaspers Aussagen distanziert und sie als „persönliche Meinung“ bezeichnet. Ob damit die Sache erledigt ist? Nun, vielleicht sollte man nicht ganz vergessen, dass Kasper von 2000 bis 2018 Mitglied des IOC war – und die persönliche Meinung des Diktatorenfreundes bis vor kurzem schon was zählte im erlauchten olympischen Kreise … So richtig verwunderlich ist das nicht.

Armin.Gibis@ovb.net

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