Der Lieferant aus Liefering

von Redaktion

Die Saison des EHC mit starken jungen Spielern spricht für Akademie-Chef Helmut de Raaf – 250 Partien pro Jahr

Göteborg – Helmut de Raaf war in Göteborg. Ein großer Name im deutschen Eishockey, immer noch. Torwartstar in den 80er- und bis in die 90er-Jahre hinein, danach der renommierteste Nachwuchstrainer des Landes. Stationen: Jungadler Mannheim – und nun Red-Bull-Akademie in Salzburg.

Man konnte ihn auch neulich schon beim Halbfinal-Rückspiel in der Champions Hockey League in Salzburg zwischen den beiden Red-Bull-Teams sehen. Da, räumt er ein, sei er ein wenig unsicher gewesen, wie er sich positionieren sollte. Denn er ist für beide Teams zuständig. Konkret: für die Versorgung von München und Salzburg mit Nachwuchs. De Raaf leitet den Eishockey-Bereich der Akademie in Salzburg-Liefering. Der Lieferant aus Liefering.

München hatte sich vorgenommen, diese Saison seine Talente verstärkt einzubauen. Ein nicht unkompliziertes Vorhaben, denn vor allem im Angriff ist der Kader mit zwölf ausgereiften Cracks besetzt. Der Prominenteste, Matt Stajan, ist mehr als 1000 Mal in der NHL aufgelaufen und bietet natürlich mehr als ein 19-jähriger Junior. Die CHL sollte, als die Gruppenphase nach vier von sechs Spieltagen für den EHC mit dem Erreichen des Achtelfinales nicht mehr entscheidend war, zur Spielwiese für die Akademie-Zöglinge werden.

Doch dann kamen die schweren Verletzungen über das Team, schalteten Kräfte wie Michael Wolf, Mads Christensen über Monate und den hüftleidenden Jason Jaffray vielleicht sogar für immer aus. Es wurden Stellen auf dem Spielberichtsbogen frei. Und neben Andy Eder, dem Ältesten unter den Jungen, machte auch Jakob Mayenschein alle 13 Spiele in der CHL, Maximilian Daubner war in zehn Partien auf dem Eis, Tobias Eder und Emil Quaas (Verteidiger) in acht. Helmut de Raaf schickte außerdem Dennis Lobach (vier CHL-Einsätze) und Justin Schütz (zwei). „Die Jungen haben nicht nur gespielt, weil wir sie gebraucht haben, sondern weil sie gut sind“, sagt Routinier Michael Wolf anerkennend. Die Generation um die Eder-Brüder und den noch etwas älteren Maxi Kastner (im Finale verletzt) profitierte vom Sommer-Eistraining in Salzburg. „Sie sind alle gewachsen in dieser Saison“, findet Michael Wolf.,

Am Ende mussten die Talente gar nicht so oft zum SC Riessersee ausweichen, zum Kooperationspartner, den der EHC sich nach dem Garmisch-Partenkirchner Zwangsabstieg von der DEL2 in die Oberliga schönreden musste. Hinter den Kulissen musste der EHC die Agenten der Spieler besänftigen – Trainer Don Jackson hat diese speziellen Gespräche mal angedeutet. Für kommende Saison ist der Kooperationsstatus offen, ein DEL2-Partner wäre den Münchnern lieber, an Kaufbeuren sollen sie schon herangetreten sein (die Allgäuer fühlen sich aber an Ingolstadt gebunden). Verlieren werden die Münchner kommende Saison wohl Tobias Eder – an Düsseldorf, das eine gute Adresse für junge bayerische Spieler ist.

Damit muss der EHC München leben, dass ein Spieler für sich eine tragendere Rolle einfordert, Wechsel der Perspektive wegen gehören zum Ausbildungsgeschäft. Aber sicher wird Helmut de Raaf für Nachschub sorgen. Zehn Stunden täglich ist er in der Akademie. „Ich gehe selbst nicht mehr aufs Eis“, sagt er, doch er verantwortet das große Ganze. In Göteborg kennt er sich auch gut aus, „ich bin zweimal im Jahr hier, wir haben einen Austausch mit Frölunda.“ Das Champions-League-Finale war „das neunte Spiel, das ich in dieser Woche gesehen habe“, verriet er. Am Samstag und Sonntag hatte er acht Partien seiner Akademie-Teams verfolgt. „Pro Saison komme ich auf 250 Spiele.“ Mehr geht wirklich nicht. GÜNTER KLEIN

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