Frölunda Göteborg hatte einfach das schmuckere Outfit – ist so. Keine Ahnung, warum ein schwedisches Team den Beinamen Indians tragen muss, aber das Clublogo mit dem Häuptlingskopfschmuck ist wirklich was für Souvenirsammler, die Shirts sind präsentabel in jeder Lebenslage. Zudem: Frölunda hat ein starkes Team. In der eigenen Eishockey-Liga mag es gerade ein wenig schwächeln, doch in der Champions League war es das mit Abstand beste. Ein anderer Sieger als die Indians hätte nicht zu der von ihnen dominierten Saison gepasst. Und damit zum EHC München.
Überhaupt in ein Endspiel zu kommen in einem Wettbewerb, den skandinavische Teams ernst nehmen und in dem auch mal die Schweizer sich nachhaltig positionieren wollen, ist eine große Leistung. Die Münchner sind der erste deutsche Verein, der einen wesentlichen Vorteil genutzt hat: Dank der großzügigen Ausländerregelung in der DEL und der nicht sehr restriktiv wirkenden Linie mancher Behörden bei Einbürgerungsverfahren können die deutschen Clubs immer mehr in Nordamerika geschulte Kräfte einsetzen als die Rivalen in der CHL, die eine strengere Kontingentierung pflegen. Auch der EHC profitiert von dieser grundsätzlichen Ausrichtung.
In dieser Saison ist er allerdings gezwungen worden, den Schweizern, Schweden und Finnen ähnlicher zu werden. München hatte viele Verletzte und kompensierte die Ausfälle so, wie es sein sollte, wenn man schon eine Nachwuchsakademie betreibt. Man füllt den Kader eben „von unten“ auf. Die Eders, Daubner, Mayenschein – sie haben geholfen, das Gesicht des Teams zu verändern. Der EHC erntet in Fach- und Fankreisen in dieser Saison definitiv mehr Anerkennung als in vergangenen Zeiten, die der Eis-Rüpel Steve Pinizzotto mit seinen Skandalen bestimmte. Im Punkt Mannschafts-Image ist dem EHC eine Transformation gelungen.
Dass er das Finale der CHL nicht gewann – kein Drama. Denn mehr als das 13. Spiel zählten die zwölf Spiele auf dem Weg dorthin, in denen der EHC das Format zum Leben erweckte. Wobei Kennern immer bewusst war, dass die Champions League des Eishockeys kein bisschen mit der des Fußballs vergleichbar ist. Denn die besten Vereine und Spieler findet man in einer anderen Welt (NHL, KHL). Dennoch: Es war nett, man ist rumgekommen – und kennt nun den coolen Göteborger Indianerkopf.
Guenter.Klein@ovb.net