Ein paar Fehler zuviel

von Redaktion

Josef Ferstl wird beim Super-G-Sieg von Dominik Paris Sechster und ist „eigentlich happy“

VON ELISABEETH SCHLAMMERL

Are – Der kleine Abendspaziergang ins Zentrum von Are ließ sich einrichten. Josef Ferstl hatte ihn ja womöglich schon vorher in die Planungen für den Rest des zweiten Wettkampftages bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften einbezogen. Dass die Siegerehrung nach dem Super-G gestern für ihn ein Pflichttermin werden könnte, war spätestens seit Kitzbühel nicht ausgeschlossen. Aber wenn dann andere die Hauptrolle spielen, man selbst nur zuschauen darf, wie die Kollegen daneben auf dem Podest mit Edelmetall dekoriert werden, hält sich die Begeisterung in der Regel in Grenzen.

Auch Ferstl sah schon einmal glücklicher aus – und das nicht nur nach seinem Triumph von Kitzbühel vor eineinhalb Wochen –, als er seine Skier aus dem Zielraum der Olympia-Piste von Are trug. Mit Platz sechs schaffte er zwar ein sehr achtbares Ergebnis, ebenso Dominik Schwaiger vom Königssee als Fünfzehnter.

Zum letzten Mal war vor 30 Jahren in Markus Wasmeier ein deutscher Skirennläufer besser im Super-G einer WM als Ferstl. Der versicherte dann auch, dass er sich auf den Abend freue. „Ich bin eigentlich happy.“ Aber die Ansprüche sind eben gestiegen, bei ihm und bei der gesamten Speedmannschaft. „Klar, geht es bei einer WM um Medaillen und in ein paar Jahren redet keiner mehr davon, wer Vierter, Fünfter oder Sechster geworden ist“, weiß er. Dennoch zeige es, „dass die Form stimmt und Kitzbühel verdient war“.

Er hatte anders als kürzlich auf der Streif keine perfekte Fahrt erwischt. „Die Basics“ wie die Sprünge und Wellen, gibt er zu, seien nicht gut gewesen. Deshalb sei es auch nicht Pech, das Podest um 0,30 Sekunden verpasst zu haben. „Es waren meine Fehler, fertig aus.“

Die anspruchsvolle Strecke bewältigte kaum einer ohne Probleme, auch nicht der neue Weltmeister Dominik Paris aus Italien, der über die schlechte Bodensicht klagte: „Manchmal war ich in der Luft und habe mir gedacht, hier ist doch keine Welle.“

Dass es für Ferstl nach einer soliden aber eben nicht fehlerfreien Fahrt noch zur Siegerehrung reicht, zeigt, dass er sich in dieser Saison zu einem konstanten Weltklasseathleten entwickelt hat. Noch im vergangenen Winter, nach seinem ersten Weltcup-Sieg in Gröden, hatte er mit einer kleinen Formkrise zu kämpfen, die bis nach Olympia anhielt.

Als 30-Jähriger ist er mit diesem Leistungssprung nicht früh dran, aber noch früh genug, um vielleicht bei den nächsten Großereignissen zuzuschlagen. Dominik Paris ist ein paar Monate jünger als Ferstl, zählt jedoch schon seit Jahren zu den besten Schnellfahrern. Er war schon öfters als einer der Favoriten zu einer WM oder Winterspielen gefahren –- und mit leeren Händen heimgekommen. Sein bisher einziges Edelmetall gewann der Süditiroler 2013 in Schladming, da wurde er Zweiter in der Abfahrt, „überraschend“, wie der Death-Metal-Fan und Hobby-Musiker sagt. „Und dann habe ich so lange darauf warten müssen“, auf diese Goldmedaille.

Aber nicht so lange wie Johan Clarey auf sein erstes Edelmetall überhaupt. Der Franzose, der sich den Silber-Platz mit Vincent Kriechmayr (Österreich) teilte, ist bereits 38 und damit der älteste WM-Medaillengewinner. Er löste den Schweden Patrick Järbyn ab, der vor zwölf Jahren auf der gleichen Piste Bronze gewonnen hatte, mit 37.

Zwei der drei Medaillengewinner gehörten zu den Geschädigten des Anreise-Chaos. Paris hatte Are am frühen Montagmorgen nach rund 16 Stunden erreicht, Clarey dagegen kam zusammen mit Ferstl und vielen anderen erst mittags mit dem Zug an. Wie die deutschen Trainer hatten sich auch die Franzosen und Italiener für eine Verschiebung des Super-G auf Donnerstag eingesetzt –- und waren damit beim Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS, Markus Waldner, gescheitert. Ferstl gab zu: „Ein Tag mehr wäre schon gut gewesen.“ Für Paris und Clarey hat der Mittwoch dagegen ziemlich gut gepasst.

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