SCHWEDENHAPPEN

Zittern im Gefrierschrank Are

von Redaktion

Der erste Blick am Morgen gilt dem Thermometer vor dem Fenster. Zugegeben, die Anzeige ist nicht ganz aussagekräftig, weil das Gerät zum einen gut geschützt an der Hauswand hängt. Zum anderen liegt das Appartment auf einer kleinen Anhöhe, dem Ortsteil Björnen. Oben ist es im Moment stets acht bis zehn Grad wärmer als unten am See. Das spüren auch die Rennläufer, für die es am Start am Areskutan nun ja nicht gerade kuschelig ist, aber doch halbwegs erträglich. Dafür müssen sich die deutschen Athleten jedes Mal dick einpacken, wenn sie von ihren Unterkünften neben dem Zielgelände ins 200 Meter gelegene Hotel Fjällby zum Essen gehen.

Am Dienstagmorgen kurz vor Sonnenaufgang gegen halb neun Uhr erreichte Björnen via Whatsapp die Meldung vom Tal: Minus 29 Grad – Rekord, also nicht für Schweden, aber für all jene etwas verweichlichten Mitteleuropäer, die sich seit ein paar Tagen im Gefrierschrank Are aufhalten und ein wenig Angst haben, sich bei diesen Temperaturen eine förkyIning, eine Erkältung, einzuhandeln. Das bedeutete: gleich noch eine Schicht mehr anziehen – und die Wärmepads für die Füße, die übriggeblieben sind von den Olympischen Winterspielen vor einem Jahr, in die dicken Schuhe kleben. Die Südkoreaner hatten damals freundlicherweise diese mit Aktivkohle gefüllten Pads verteilt. Von den Volunteers in Are gibt es Decken, weil ja auch hier die Heizung im Pressezentrum nur gelegentlich gut funktioniert.

Überhaupt entfachte in diesen Tagen eine hitzige Diskussion darüber, ob es hier kälter ist als 2018 in Pyeongchang. Daheimgebliebene Südkorea-Olympia-Fahrer beharren zwar darauf, dass man nirgendwo jemals mehr frieren könne als damals bei den olympischen Abendveranstaltungen.

Aber die zugegeben nicht ganz repräsentative Umfrage in Are ergab das Gegenteil: Eine eindeutige Mehrheit hält die Ski-WM für die schlimmere Kältekammer. Zumindest galt dies für die ersten Tage. Denn gestern stiegen die Temperaturen um fast zehn Grad. Also auf minus 19 Grad. Wärmeeinbruch in Schweden.

Elisabeth Schlammerl

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